Mittwoch, 6. Dezember 2017

Das sechste Türchen

Ich wünsche euch allen einen frohen Nikolaustag und hoffe, eure Schuhe waren heute morgen nicht nur mit Luft gefüllt.
In meiner Familie kommt traditionell in jeden Schuh eine Kleinigkeit.
Es gibt Jahre, da sind wir ziemlich gut, was Geschenkideen anbelangt und es gibt welche (wie dieses) da fällt uns nicht wirklich etwas ein.
Ich weiß, dass viele Menschen auf Geschenke verzichten, weil es für unnötig halten.  
Wir haben doch alles, wir müssen uns nichts schenken. Wir können uns alles, was wir brauchen, einfach kaufen ... Diese Sätze höre ich oft und im Grunde treffen sie auch bei uns zu. Trotzdem sind wir ... und vermutlich wirkt es sogar albern oder befremdlich, aber wir wollen, dass da was in unseren Schuhen steckt und wir wollen auch zu Weihnachten ein Geschenk auspacken.
Und weil es so wunderbar kitschig, romantisch und vermutlich wirklich albern ist, haben wir uns in diesem Jahr gegenseitig einen Weihnachtstee und ein paar Süßigkeiten in die Schuhe gesteckt. Zur Zeit trinken wir total gern Tee. Wir haben jeweils eine Sorte gekauft, die wir gern mal ausprobieren wollen. Obwohl wir gestern Abend beim Befüllen kein bisschen heimlich waren, sondern quasi nebeneinander und gleichzeitig, den Tee in den Schuh des anderen gesteckt haben, haben wir uns heute morgen trotzdem irgendwie gefreut. Es ist einfach die Stimmung und der Spaß ... in einer Zeit, die für uns tatsächlich zu den hektischsten des Jahres gehört. Früh morgens einfach mal fünf Minuten kuscheln, sich darauf freuen, dass heute Abend gleich der erste Tee gekostet wird und ein bisschen den Zauber der Weihnachtszeit spüren. Verrückt, aber jeder braucht schließlich ein paar Rituale.

Und das ist gewissermaßen das Stichwort für das heutige Türchen. Es ist durchaus schon ein Ritual, dass ich in der Weihnachtszeit in irgendeiner Form eine Weihnachtsgeschichte schreibe. Im Laufe der Jahre haben sich bereits einige angesammelt und ich würde euch gern in diesem Kalender ein paar Ausschnitte daraus vorstellen.
Ich glaube, die folgende Geschichte ist eine meiner ersten. Sie stammt aus dem Jahr 2011.
Eigentlich wollte ich sie schon längst überarbeiten, auch mal in die große Amazonwelt hinauslassen, aber Überarbeitung ist so ein schwieriges Thema für mich ... Trotzdem mag ich die Geschichte von Thomas und Jeremy immer noch sehr. Ein echtes Weihnachtsmärchen mit zwei wunderbaren und so verschiedenen Männern.

Das Geschenk
 Auszug aus Kapitel 3

Während alle in die Autos steigen, machen wir uns zu Fuß los. Nur wenige Häuser später sind wir schon auf freiem Feld. Es dämmert bereits, aber der Schnee glitzert so schön, dass ich mich gar nicht daran satt sehen kann. Auch Jeremy scheint ganz in Gedanken versunken und geht still neben mir her. Die Hände in seinen Jackentaschen vergraben, den Kopf eingezogen. Es ist wirklich ziemlich kalt. Ich lege meinen Arm um ihn. „Frierst du?“
„Es geht schon. Das Laufen tut wirklich gut. Ich dachte, ich würde gleich platzen, so satt bin ich.“
„Ich weiß genau, was du meinst“, antworte ich lachend. Er grinst, dann bückt er sich, nimmt einen handvoll Schnee und ehe ich es überhaupt registriere bewirft er mich damit. Erschrocken über die unglaubliche Kälte, die mich gleich bis auf die Haut trifft, keuche ich auf. Er lacht laut und rennt weg.
„Na warte!“, rufe ich ihm hinterher und setze ich mich in Bewegung. Immer wieder dreht er sich im Laufen um und grinst mich an. Das ist ein Fehler, denn offensichtlich hat er den Schneehaufen rechts am Weg nicht bemerkt und schon liegt er mittendrin.
Mit wenigen Schritten bin ich bei ihm und dann über ihm. Zuerst will ich mich eigentlich für die Schneedusche revanchieren, aber dann halte ich inne und sehe ihn an. Er liegt da im Schnee, die Wangen von der Kälte gerötet, die Lippen glänzen dunkelrot. Blaue Augen sehen mich aufmerksam an. Seine Haare sind von einer schwarzen Strickmütze bedeckt. Ich lasse die Hand mit dem Schnee wieder sinken, beuge mich stattdessen über ihn.
„Du bist so wunderschön. Ein richtiger Schneeengel.“
Er lacht und zieht mich zu sich runter. Sanft berühren sich unsere Lippen, aber schon bald wird der Kuss fordernder. Ich streiche mit der Zunge über seine Lippen und er öffnet sie ein Stück, damit ich hineinschlüpfen kann. Sanft nehme ich seinem Mund in Besitz, stupse seine Zunge an. Er stöhnt leise und presst sich an mich. Ich kann einfach nicht genug von ihm bekommen. Jeden Winkel seines Mundes möchte ich erkunden, gierig von seinen süßen Lippen kosten. Erst das leichte Zittern unter mir, lässt mich den Kuss lösen.
„Verdammt, es ist einfach zu kalt für solche Sachen“, sage ich und erhebe mich. Ich reiche ihm die Hand. „Komm, du bist ganz nass. Lass uns lieber zurückgehen.“
Ich ergreife seine Hand und lasse sie auch nicht mehr los, bis wir wieder vor dem Haus von Sabine stehen.

Lesen könnt ihr die Geschichte auf fanfiktion. de: Das Geschenk


Kommentare:

  1. Toll, jetzt muss ich ganz eindeutig das Geschenk noch einmal - denn ich hab bei FF alles gelesen von dir - lesen, denn dieser Ausschnitt sagt mir gerade gar nichts. Ich werde alte ;)
    Danke und dir auch einen wundervollen Nikolaustag mit deinen Lieben und dem neuen Tee :*

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  2. Oh super allem einen wunderschönen Nikolaustag.
    Die Geschichte hört sich toll an kann mich aber gerade auch nicht mehr daran erinnern somit muss ich deine Bücher demnächst mal wieder hervorholen und nochmal lesen. Lg Ines

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