Dienstag, 18. Juli 2017

Positive Energie

In diesem Jahr fiel mein Urlaub ein bisschen kürzer aus.
Irgendwie konnten wir uns nicht so richtig entscheiden, ob mit Zelt oder nicht, wie und überhaupt und ... Eigentlich wusste ich nur eines: Ich musste am 11. Juli in Rostock zur Lesung sein und der Urlaub sollte da drumherum liegen.
Nun, ich bin nicht nur beim Schreiben chaotisch, meine Familie ist es im Grunde auch.
Schließlich haben wir uns ganz spontan gegen das Zelt und für ein festes Haus entschieden, waren mit acht Tagen zufrieden und haben noch ein bisschen Heimurlaub geplant.
Ein Jahr ohne Ostsee geht für mich gar nicht. Ich brauche das Meer, die Wellen, den Wind, den weiten Himmel und den besonderen Duft.
Von der Landschaft ganz zu schweigen ...

Diesmal verschlug es uns in die Nähe vom Darß an den Bodden in eine Siedlung, die eingezäunt war und sich mitten im Nirgendwo befand.
Ruhig ... es war so ruhig, selbst für jemanden, der ohnehin nur in einer Kleinstadt lebt. Jede Menge Natur und Weite für das Laptop/Bildschirm leidgeprüfte Auge. Grün-bunte Felder und im Hintergrund der Bodden, mal strahlendblau wie der Himmel, mal düster-grün und bedrohlich, denn natürlich hatten wir wie immer auch Regen-und Sturmtage dabei.
Das Haus war großartig und sorgte für einen guten Start in den Urlaub. Im Gegensatz zu dem langen Stau bei der Anreise.
Ich finde es super, wenn wir alle mal nur auf "Familie" runterreduziert sind, Zeit miteinander verbringen und uns trotzdem gegenseitig den Freiraum lassen, den jeder von uns braucht. Es ist schon ein seltsames Gefühl, zu sehen wie groß die Jungs sind und zu wissen, wie endlich die Anzahl der gemeinsamen Urlaube noch ist. Irgendwie macht diese Gewissheit jede gemeinsame Unternehmung noch kostbarer.

Am Dienstag war es dann soweit. Meine Lesung im Rahmen des CSD in Rostock. Natürlich war ich furchtbar aufgeregt. So sehr, dass ich vergessen habe, das Badfenster (Dachschräge) zu schließen und dass, wo es wie aus Eimer goß. Zum Glück waren wir erst wenige Kilometer unterwegs und konnten problemlos zurück. Das Bad stand auch nicht unter Wasser, denn ich hatte das Fenster nur einen schmalen Spalt offen gelassen.
Der zweite Anlauf nach Rostock gelang. Dort wurde ich total herzlich empfangen, sodass ein Teil meiner Anspannung nachließ. Meine Männer habe ich im Übrigen ins Kino geschickt.
Der Raum war toll, sogar mit so einer Schleife für Hörgeschädigte. Die Plätze füllten sich und schließlich ging es los. Ich schätze, ich habe es schon mehr als einmal erwähnt, dass ich total gern lese und die besondere Stimmung bei Lesungen liebe.
"Positiv verliebt" gehört obendrein noch zu meinen Herzensbüchern. Es macht immer wieder Spaß und am Ende spüre ich, dass es genau das ist, was ich möchte. Geschichten aufschreiben, darüber reden und auch daraus vorlesen. Ich wünschte, ich könnte es noch viel besser, viel selbstbewusster ... aber ich übe und spüre immer wieder, wie mich dieses Glücksgefühl förmlich überrollt und mich für einen Moment all die negativen Dinge vergessen lässt.
Deshalb danke ich an dieser Stelle ganz besonders Robin Döring und Veit Pürsing vom CSD Rostock für ihre Einladung und ihr Vertrauen und natürlich auch allen, die zur Lesung gekommen sind. Ganz besonders den "Jungs" von IWWIT.
Mein Geschenk und wer mich kennt weiß, wie sehr ich mich über regenbogenbunte Armbänder gefreut habe
Anschließend gab es eine kleine Diskussionsrunde zum Leben mit HIV. Zuhören, Mitreiden, Begreifen und Staunen. Ich betone ja immer wieder, dass ich schwule Liebesgeschichten schreibe, die nicht auf Realität sondern auf Unterhaltung ausgelegt sind. Aber es ist auch ein wunderbares Gefühl, ein bisschen Realität, gerade auch im Hinblick auf das Leben mit HIV zu erfahren und diese Runde war für mich eine echt große Bereicherung.
Was soll ich sagen? Ich hatte viel Spaß, die Zeit verging total schnell und ich hoffe, dass ich die Anwesenden auch ein bisschen unterhalten konnte.

Nach diesem aufregenden Abend ging es für mich weiter mit Familienurlaub und natürlich auch einem Besuch in Greifswald bei meinem liebsten Freund und Seelenbruder.
Dort sind wir gemeinsam zum Fischerfest und ich habe von meinen Männern diesen regenbogenbunten Herzchenball bekommen. Ich liebe ihn!
Es war zu kurz... Die Tagen vergingen viel zu schnell, obwohl wir so wunderbar entschleunigt waren. Baden, lange Spaziergänge, Angeln, Tischtennis, lesen, fernsehen, Karten spielen oder einfach nur quatschen. Zwischendurch habe ich innegehalten und mir vor Augen geführt, was für wunderbares Leben ich habe. Manchmal bin ich so frustriert, schaue neidisch auf das, was andere machen oder haben oder vorgeben zu haben. Gerade auf Facebook erscheint es mir so einfach, die Balance zu verlieren.
Ich weiß, dass ich einige Dinge niemals leisten kann, nicht jede Mauer überwinden werde und mir selbst manchmal im Weg stehe. Aber ich erkenne auch die guten und motivierenden Momente, die mir solche Erlebnisse wie Lesungen schenken, aber auch meine Männer, die so absolut hinter mit stehen und mich unterstützen.
Puhh, jetzt werde ich aber sentimental...

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, zu schreiben und hoffe, dass ich noch ein paar Projekte in diesem Jahr zuende bringe. In diesem Monat gibt es auf jeden Fall noch etwas Neues von mir. Mein geheimes Geheimprojekt mit drei anderen Autoren. Ich bin schon soo gespannt und hoffe, ihr seid es auch.


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