Caro Sodar, Mia Grieg, Sitala Helki und Karo Steinn auf der Buch Berlin

Mittwoch, 20. Juli 2016

Sommerfeeling

In diesem Jahr war alles irgendwie anders. Das fing schon damit an, dass ich mich spontan gegen das Zelt und für ein kleines Ferienhaus auf Rügen entschieden habe. Kurzfristig und Rügen bedeutet ziemlich teuer und wenig Platz.
Unser Häuschen war winzig, aber okay. Bis zum Hafen waren es keine fünfzig Meter, bis zum Strand knapp zwei Kilometer, die wir allerdings nur einmal gelaufen sind. Mit dem ganzen Badezeug war meinen Männern das zu aufwenig, vor allem in Anbetracht, dass uns meistens der Regen vom Strand verscheucht hat.
Wie immer, an der Ostsee hatten wir ein wildes Wettergemisch von Sonne, Regen, Sturm, Gewitter und Hagel. Wir hatten hohe Welle und eine beinahe spiegelglatte Wasserfläche, lange Strandspaziergänge und wilde Wasserschlachten. Die Suche nach Hühnergöttern und Donnerkeilen wurde exzessiv betrieben und dabei einmal mehr festgestellt, wie oft das männliche Geschlecht sich in der Natur wiederfinden lässt. "Das sieht aus wie ein Penis", war quasi der zweithäufigste Satz des Urlaubs.
Von den Störtebeker Festspielen war icn persönlich in diesem Jahr ein bisschen enttäuscht. Eigentlich wäre es ja der vierte Teil und damit auch der letzte einer Reihe gewesen, was dem Störtebeker den Kopf gekostet hätte... leider haben sich die Macher da wohl umentschieden und eine, für mich, recht langweilige Story gebracht. Der Held ging in der Geschichte vollkommen unter, aber insgesamt war es ein schöner Abend. Die Jungs mochten es und das ist irgendwie immer noch am wichtigsten.
Rügen hat so viele schöne Aus-und Ansichten, dass ich am liebsten die ganze Zeit mit der Camera unterwegs gewesen wäre. Ich bin ja leider nicht so eine gute Fotografin, aber ich knispe trotzdem gern wild drauf los.






Wie immer verging die Zeit viel zu schnell. Am Anfang brauche ich eine Weile, bis ich mich auf "Urlaub" einlassen kann und dann ist er auch schon vorbei. An dieser Stelle seufze ich tief, auch wenn ich mich schon sehr darauf freue, endlich wieder zu schreiben.
Es freut mich, dass euch meine kleinen Kuss- Geschichten gefallen haben. Ob es da irgendwann mal mehr von der einen oder anderen Geschichte geben wird, vermag ich im Moment nicht zu sagen. Es waren recht spontane Einfälle, aber man weiß ja nie, was die Muse plötzlich bereithält.

Wieder zu Hause, wieder am Schreibtisch, wieder voller Pläne ... Auch wenn ich versucht habe, im Urlaub kaum über das Schreiben nachzudenken, so ist mir das nicht komplett gelungen. Zum Glück haben sich keine neuen Plots eingeschlichen, denn im Moment habe ich wirklich genug mit den vorhandenen Ideen zu tun. Dafür habe ich ein bisschen über die letzten Wochen nachgedacht und auch ein wenig darüber, was ich will und was ich mir wünsche. Es gab da ein paar Dinge, die für mich nicht so gut gelaufen sind. Ich "durfte" eine wirklich unangenehme Erfahrung machen, die mich ins Grübeln und zum Zweifeln gebracht hat. So sehr, dass ich sogar eine Veranstaltung abgesagt habe, auf die ich mich seit Anfang des Jahres gefreut habe. Nun wird sie im August ohne mich stattfinden, was mein Herz bluten lässt. Dafür werde ich mir zum Ausgleich an diesem Samstag etwas gönnen, was ich schon seit einigen Jahren erleben wollte. Ganz für mich allein unter vielen ... vorausgesetzt mich verlässt der Mut nicht.

Und noch etwas war in diesem Jahr anders: Eigentlich decke ich mich immer mit neuen Büchern für den Urlaub ein. Das habe ich auch getan, allerdings hatte ich dann keine Lust sie zu lesen. Stattdessen wurde es ein Re-Reading Urlaub. Meine Begleiter will ich euch natürlich nicht vorenthalten.
  • Was du mir gibst von Jeanette Grey
  • Kaktuskavalier von A.C. Lelis
  • Black-out mit Folgen von France Carol
  • [sub]optimal von A.C. Lelis
  • [Off]switch von A.C. Lelis
Wie man sieht, war es ein bisschen Lelis- lastig, aber ich verliere mich immer wieder in ihren Büchern. Im Übrigen musste ich feststellen, dass mein kleiner Sohn, der eigentlich ebenso wie sein Bruder ein Lesemuffel ist, immer wieder versucht hat, mitzulesen. Natürlich sind das nicht gerade Bücher, die ein knapp 14-jähriger mitlesen sollte, deshalb habe ich den Kindle auch immer demonstrativ ausgeschaltet. Am letzten Tag am Wasser sagte er trotzdem schnaufend: "Schon wieder Andy?"
Die neuen Bücher werde ich sicherlich auch irgendwann lesen, aber jetzt steht mir der Sinn doch eher nach schreiben.
Der Urlaub war schön, sehr in Familie und wunderbar entspannend. Trotzdem habe ich das Campingfeeling ein bisschen vermisst.




Mittwoch, 13. Juli 2016

Der dritte Kuss

Hier kommt auch schon der letzte Kuss. Die Zeit vergeht so unglaublich schnell und mein Urlaub ist fast vorbei.
Nach dem Begrüßung-und dem Hochzeitskuss kommt jetzt der Abschiedskuss.

Abschiedskuss

Ein letzter Kuss. Fest pressen sich seine Lippen auf meinen Mund. Ich spüre die unterdrückte Leidenschaft, die Sehnsucht... Bilder der letzten Nacht ploppen in meinem Kopf auf. Ich stöhne leise, kann nichts gegen den aufwallenden Schmerz in meiner Brust machen. Er schiebt mich sanft von sich, lächelt, aber seine Augen sehen mich traurig an. Wir atmen tief durch, dann werde ich erneut in eine Umarmung gezogen. Diesmal sind die Lippen viel weicher, die Zunge verspielter und doch ist das Gefühl nicht weniger intensiv. 

Atemlos schauen wir drei uns an. Ich kann nicht glauben, dass ich ein Teil dieser Männer sein durfte.
„Fahr vorsichtig“, sagt Vincent und zwinkert mir zu.
„Ruf an, wenn du angekommen bist“, fügt Theo hinzu.
„Ruf einfach immer an. Wir sind für dich da.“
„Mach ich“, erwidere ich mit trockener Kehle. Dabei wissen wir, dass es diese Telefonate nicht geben wird. Das hier ist das Ende. Vincent packt mich, hebt mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen. 

„Ruf uns an“, raunt er mir mit eindringlicher Stimme zu. Sie sorgt augenblicklich für ein heftiges Kribbeln in meinem Bauch und erinnert mich an all die wunderbaren Dinge, die er mir mit genau dieser Tonlage ins Ohr geflüstert hat. Ich nicke. Der Druck hinter den Augen erhöht sich, aber ich werde nicht heulen. Es ist nur so unfassbar … unglaublich schmerzhaft. 

„Gruppenumarmung“, ruft Theo und wir umschlingen uns allesamt irgendwie, irgendwo … Ein Kuss zu dritt ist schwierig, aber mittlerweile bekommen wir es ganz gut hin. Sanft berühren wir die Mundwinkel der anderen, kosten voneinander, stöhnen unterdrückt. Ich will nicht, dass es jemals vorbei geht und doch reiße ich mich los. Es macht keinen Sinn, die Trennung noch länger hinauszuzögern. 

Ein letzter Blick in die zwei Augenpaare, die ich für den Rest meines Lebens nicht mehr vergessen werde. Ich steige ins Auto, starte den Motor und lasse die Fensterscheibe herunter.
„Danke, dass ich bei euch sein durfte“, sage ich und grinse sie schief an.
„Jederzeit wieder“, erwidert Theo.
„Du hast immer einen Platz in unserem Bett“, bestätigt Vincent.
„Ihr seid … absolut umwerfend.“

Eine Antwort darauf warte ich nicht ab, sondern trete auf das Gaspedal. Der Wagen setzt sich in Bewegung. Ich starre in den Rückspiegel, halte meinen Arm zum Gruß aus dem Fenster und fahre ein letztes Mal die holprige Straße entlang. 

Sie winken und ich kann mich kaum zusammenreißen. Hinter den nächsten Kurve ist es vorbei. Die Tränen laufen mir über das Gesicht. Ich verfluche mich dafür und wische sie hektisch weg. Nicht heulen … nicht nachdenken. Und trotzdem breiten sich die Bilder der vergangenen Wochen wie ein Teppich in meinem Gehirn aus, auf dem ich weich und wie auf Wolken entlang wandern kann.

Der Sommer meines Lebens … ein unglaubliches Hochgefühl macht sich in mir breit. Es verdrängt den Schmerz nicht, aber erfüllt mich mit der Gewissheit, dass ich etwas ganz Besonderes erleben durfte. Ich habe geliebt wie noch nie in meinem Leben, hatte den atemberaubendsten Sex, die wunderbarsten Gespräche und eine Nähe, wie ich sie noch nie gefühlt habe. 

Es gibt keinen Grund traurig zu sein, denn wie oft wird das Leben wohl eine solchen Moment bereithalten? Nichts ist für immer, aber dieser Sommer erscheint mir wie eine süße Ewigkeit, die ich für alle Zeit in meinem Herzen trage werde. 

Dabei wollte ich doch nur eine kurze Auszeit. Endlich hatte ich meinen Master in der Tasche. Der Arbeitsvertrag war ebenfalls unterschrieben, aber bis zum Beginn hatte ich noch etwas mehr als zwei Monate. Zuerst dachte ich daran, mir einen Sommerjob zu besorgen, aber dann habe ich mich spontan ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Ich habe mir während des Studiums kaum eine Auszeit gegönnt. Das Geld musste ich selbst aufbringen und so habe ich mich zwischen meinem Aushilfsjob und dem Lernen quasi aufgerieben. Die Ferien habe ich stets genutzt, um mehr zu arbeiten oder mich durch unbezahlte Praktikas gequält. 

Diesen Sommer wollte ich zum ersten Mal ganz allein für mich nutzen. Keine Verpflichtung, kein Stress, einfach nur in den Tag hineinleben. Das finanzielle Bugdet dafür war nicht groß, aber ich brauche nicht viel zum leben. Rauf an die Küste, vielleicht Polen, Dänemark, vielleicht sogar rüber nach Schweden. Am Ende bin ich in einem kleinen Nest hängengeblieben, zusammen mit den heißesten Männern, die ich jemals kennengelernt habe. 

Eigentlich war es für mich nur ein kleines Experiment, als die beiden mich auf einen Dreier eingeladen haben. Ich wollte mir die Chance nicht entgehen lassen, obwohl es mir auf der anderen Seite nicht ganz geheuer war. Für gewöhnlich bin ich nicht der Kerl für One Night Stands... mit zwei Kerlen war das gleich noch eine Spur verwegener … noch dazu in einer Gegend, in der ich niemanden kannte und wo mich vermutlich auch niemand finden würde. Einen winzigen Moment habe ich mir sogar vorgestellt, dass die beiden mich problemlos umbringen könnten. Vor allem gegen Vincent hätte ich mich niemals wehren können. Der Kerl ist wie ein Baum, mit Muskel wie Stahl. In meinem Bauch beginnt es heiß zu kribbeln. Von ihm gefickt zu werden, war so unglaublich … 

Und Theo … der süße Theo, der anschmiegsam wie ein Kätzchen ist, aber durchaus auch seine Krallen ausfahren kann. Vielleicht ist er Vincent körperlich unterlegen, aber ansonsten lässt er sich von niemanden einschüchtern. 

Aus einer heißen Nacht wurde ein wunderbarer Morgen, ein entspanntes Frühstück, ein lustiger Tag und … acht Wochen, die unvergleichlich und absolut unauslöschlich sind. Noch nie habe ich mich so verstanden und angenommen gefühlt. Obwohl ich nicht daran geglaubt habe, dass Beziehungen zu dritt funktionieren, so muss ich doch einsehen, dass es absolut perfekt war. 

Trotzdem bin ich nun auf dem Weg in mein neues Leben. Ich will diesen Job, für den ich so lange und hart gearbeitet habe. Ich muss endlich richtig Geld verdienen, mir eine Zukunft aufbauen. Für zwei besondere Monate kann ich nicht mein ganzes Leben über den Haufen werfen. Einmal abgesehen davon, dass wir auch niemals darüber gesprochen haben. Wir wussten, dass dieser Tag kommen würde und haben die Zeit bis dahin genossen. Vielleicht sind die beiden sogar froh, dass sie jetzt wieder allein sind, auch wenn sie mir niemals das Gefühl gaben, das dritte Rad am Wagen zu sein. Ganz im Gegenteil, wir waren eine erstaunlich homogene Einheit. Die beiden haben mich ergänzt, mich vervollständigt.

„Blödsinn“, rufe ich laut und atme tief durch. „Das war nur ein kleines Abenteuer, das niemals den Alltag überstehen würde.“

Ich drehe das Radio lauter und hoffe so, die Stimmen in meinem Kopf zu übertönen. Ein paar Lieder singe ich mit und bringe die vielen Kilometer bis nach Hause schließlich hinter mich. 

Die erste Nacht allein in meinem Bett fühlt sich fremd an. Wie schnell man sich daran gewöhnen kann, immer einen anderen Körper in der Nähe zu haben, jemanden, der sich trotz der Hitze an einen kuschelt oder besitzergreifend mit Armen und Beinen umschlingt. Ein harter Schwanz, der sich mitten in der Nacht an meinem Hintern reibt und Müdigkeit in Erregung verwandelt. 

Die Arbeit sorgt dafür, dass ich keine Zeit zum Grübeln habe. Der Job ist hart und anstrengend und fordert mich auf der ganzen Linie. Es ist genau das, was ich immer machen wollte. Dazu habe ich ein paar Arbeitskollegen mit denen ich mich gut verstehe. Die Wochen vergehen, doch die Erinnerung an den Sommer verblasst nicht. Der Schmerz in meinem Herzen und das Gefühl, etwas wirklich wichtiges verloren zu haben, vergehen nicht. 

Wir haben ein oder zweimal telefoniert. Meist kurz und ohne, dass wir wussten, was wir uns sagen sollten. Es macht keinen Sinn, etwas aufrecht zu erhalten, das durch viele Kilometer getrennt ist, auch wenn die Sehnsucht mich manchmal um den Verstand bringt. Irgendwann muss dieses Gefühl doch vergehen. Ich versuche, jeglichen Gedanken an Vincent und Theo zu unterdrücken, aber in meinem Träumen sind sie so real, dass ich mir einbilde, sie neben mir zu spüren, ihren Atem auf meiner Haut fühle und schier verrückt werde, weil sie mich mit ihren Küssen um den Verstand bringen. 

Je heftiger der Schmerz wird, desto mehr stürze ich mich in die Arbeit. Ich mache mehr Überstunden, als nötig, stehe auch am Wochenende zur Verfügung und fordere so viel von mir, dass ich schließlich nur noch irgendwie funktioniere. 

Ich bereue den vergangenen Sommer, hasse das Gefühl, das einfach nicht vergehen will und kämpfe verbissen dagegen an. Der Herbst mit seinem grauen und regnerischen Wetter sorgt auch nicht dafür, dass sich mein Gemütszustand bessert. 

Eigentlich bin ich viel zu müde, um den Fernseher anzuschalten und auf die Pizza, die ich mir auf dem Weg von der Arbeit nach Hause mitgenommen habe, habe ich auch keinen Appetit mehr. Trotzdem setze ich mich aufs Sofa, betätige die Fernbedienung und fürchte mich vor dem Wochenende, an dem ich nichts zu tun haben werde. Keine Arbeit, keine Verabredungen … vielleicht sollte ich morgen spontan ins Kino gehen oder meine Eltern besuchen … Aufräumen wäre auch eine Option. 

Das Läuten an der Tür reißt mich aus den Gedanken. Ich gucke überrascht zur Uhr, lausche auf ein weiteres Geräusch, das auch prompt einsetzt. Langsam erhebe ich mich und gehe in den Flur. Kaum habe ich die Klinke heruntergedrückt, befinde ich mich an der gegenüberliegenden Wand wieder und werde stürmisch von zwei paar vertrauten Lippen begrüßt. 

„Scheiße, hab ich dich vermisst“, jammert Theo und presst sich dicht an mich.
„Keine Sekunde länger“, knurrt Vincents tiefer Bass.
„Ihr seid hier?“, frage ich unsinnigerweise und bin mir nicht sicher, ob es vielleicht nur ein irrer Traum ist.
„Ja“, erwidern sie gleichzeitig. Erneut werden ich mit Küssen überhäuft, jetzt gebe ich sie allerdings zurück. Wie ein Ertrinkender klammere ich mich an die beiden Männer. Wir taumeln ins Schlafzimmer, fallen aufs Bett und endlich fühle ich mich wieder vollständig.
„Bescheuerte Abschiedsküsse“, sagt Theo und sieht mich sehnsüchtig an.
„Ja“, flüstere ich erregt, ziehe ihn zu mir und dränge meine Zunge tief zwischen seine Lippen.
„Du gehörst zu uns“, stellt Vincent klar und plündert kurz darauf meinen Mund. 

Ich habe keine Ahnung, ob oder wie es funktioniert, aber ich will keine Sekunde länger ohne die beiden sein. Irgendwie werden wir das hinbekommen. Die Zuversicht erfüllt meinen Körper und plötzlich fällt der ganze Stress von mir ab. Ich lasse mich auf Vincent und Theo ein und weiß, dass ich mich niemals besser gefühlt habe, als in ihren Armen.



Samstag, 9. Juli 2016

Der zweite Kuss

Heute geht es weiter. Der nächste Kuss, diesmal zu einem ganz besonderen Anlass.

Hochzeitskuss

Wer hätte gedacht, dass ich jemals hier stehen würde? Ein alberner Brauch, eine Zeremonie, die vollkommen unnütz ist. Es gibt so viele wichtige Dinge im Leben, aber ich war mir immer sicher, dass das hier nicht dazugehört. Es ist keine Errungenschaft, die ich jemals für mich wollte. Ich wusste genau, wie mein Leben verlaufen soll, was ich erwarten kann und wohin der Weg mich führt. Ich habe alles geplant, bin immer den geraden Weg gegangen, kein Abzweig, kein Umweg. Alles war so logisch und vorherbestimmt. Ich wusste immer wer ich bin und was ich wollte. Heiraten oder … verpartnern gehört nicht dazu. CSD´s gehören nicht dazu. Statusmitteilungen auf Facebook ebenfalls nicht. Mein Job, mein Auto, mein nächster Fick... 

Ich streiche nervös durch die Haare und kann nicht glauben, dass ich hier vor diesem Rathaus stehe, umgeben von meiner Familie, von Freunden und schrillen Typen, die mit ihren hochhackigen Schuhen und Glitzerklamotten jeden Blick auf sich ziehen. 

Ich bin hier, nur er noch nicht. Wer hätte auch erwartet, dass er diese eine Mal pünktlich ist? Immerhin haben wir es seiner Unpünktlichkeit zu verdanken, dass wir uns überhaupt über den Weg gelaufen sind. Genau genommen, hat er mich im wahrsten Sinn des Wortes umgerannt, mich umgehauen und mit seiner ungestümen Art meine Welt auf den Kopf gestellt. Aus Geradlinigkeit wurde Chaos, aus zielgerichtet, ein Labyrinth … und aus Ficken Liebe. 

Nervös schaue ich auf die Uhr. Noch zehn Minuten. Er macht es mal wieder spannend. Meine Mutter zupft an meinem Anzug. Karsten, mein bester Freund und Trauzeuge klopft mir auf die Schulter. Ich werfe ihm einen unsicheren Blick zu, den er mit einem breiten Grinsen erwidert. Das ist nicht beruhigend. 

„Er war doch noch nie pünktlich“, sagt er schließlich. „Es wäre besser gewesen, ihr hättet die Nacht zusammen verbracht.“
„Als wenn ich das nicht gewollt hätte“, knurre ich und starre die Straße entlang. „Er musste ja unbedingt einen auf Braut machen und zu Hause schlafen.“
„Deine süße Braut wird jeden Augenblick auftauchen“, sagt Karsten beschwichtigend. Ich werfe ihm einen grimmigen Blick zu, den er mit einem Lachen beantwortet.
Fünf Minuten. Die Standesbeamtin erscheint in der Tür und begrüßt uns. Fragend sieht sie mich an, aber Karsten erklärt ihr, dass mein zukünftiger Mann jeden Moment erscheinen wird. Ich habe keine Ahnung, woher er die Zuversicht nimmt. In meinem Kopf jammert eine kleine Stimme, dass er mich auch versetzen könnte, dass es gar nicht echt wahr und ich mich hier vollkommen zum Trottel mache. Ich schüttle den Kopf, aber der Gedanke lässt sich nicht vertreiben und sorgt dafür, dass ein erster Anflug von Panik mich gefangen nimmt. 

Die Gäste gehen nach drinnen. Karsten und ich bleiben vor der Tür.
„Können wir nicht einfach verschwinden bevor es peinlich wird?“, frage ich leise.
„Peinlich? Das ist doch mittlerweile ein Zustand, an den du dich mit deiner Nervensäge gewöhnt haben solltest.“
„Nenn ihn nicht so“, brummle ich.
„Wenn er nicht so wäre, gäbe es dieses ganze Theater nicht und du müsstest hier nicht mit so einer Leidensmiene herumstehen. Willst du ihn noch mal anrufen?“
„Die Mailbox springt sofort an. Ich kann ihn nicht erreichen, Karsten. Ich verstehe ...“ Weiter komme ich nicht, denn Andi kommt angestürmt. 

„Noch nicht zu spät“, ruft er atemlos. Die Worte hallen in meinem Kopf wider, aber ich kann ihn nur fassungslos ansehen.
„Gott, er ist verdammt heiß“, raunt Kasten mir zu. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass er so aussehen kann …“
„Ich auch nicht“, gebe ich überwältigt zu.
Schließlich steht Andi schwer keuchend vor mir. Er lächelt unsicher.
„Will ich wissen, was passiert ist?“, frage ich mit einer Mischung aus Wut und Erleichterung.
„Besser nicht“, sagt er und beginnt auf seiner Unterlippe zu kauen.
„Seid ihr bereit?“, fragt Karsten und schiebt uns, noch ehe wir antworten, ins Innere des Gebäudes. 

Die Standesbeamtin lächelt uns an.
„Ich bin froh, sie beide zu sehen“, sagt sie und schüttelt Andis Hand.
„Tut mir leid“, nuschelt er verlegen. Erstaunt sehe ich ihn an. Normalerweise strotzt er vor Selbstbewusstsein und lässt sich von niemanden ein schlechtes Gewissen einreden, nur weil er ein paar Minuten oder Stunden später erscheint. Wenn man mit Andi pünktlich sein will, muss man ihn schon persönlich unter Kontrolle halten. Bisher gelingt mir das ziemlich gut und es macht vor allem unglaublich viel Spaß. Deshalb hätte ich gleich daran denken sollen, dass es heute auch nicht anders sein wird. Auch wenn es das ist, was er sich mehr als alles andere gewünscht hat.

Karsten ist nun ebenfalls weg und wir beide stehen allein vor der Tür.
Wir sehen uns an. Dieser schuldbewusste Ausdruck in seinem Gesicht passt gar nicht zu Andi. So will ich ihn nicht sehen. Er soll vor Glück strahlen. Schließlich ist er es doch, der an diese Sache hier glaubt und ihr mehr Bedeutung zuschreibt, als sie in Wirklichkeit hat.
„Ich liebe dich“, sage ich schlicht und schiebe meine Hand in seine.
„Habe ich es versaut?“, fragt er schüchtern.
„Du? Wie könntest du jemals etwas versauen?“ Ich stelle mich direkt vor ihn, streichle mit der freien Hand seine Wange. „Komm schon, dein Auftritt, schnapp dir den heißen Kerl.“
Aus dem schmalen Lächeln wird ein süffisantes Grinsen. „Ich kriege ihn für immer.“
„Solange, wie unsere Ewigkeit währt.“
„Mein wunderbarer Optimist“, erwidert er kichernd.

Die Musik, die Andi ausgesucht hat, setzt ein, die Tür wird geöffnet und wir schreiten an den Gästen vorbei, bis ganz nach vorn. Im Grunde macht es mir nichts aus, im Mittelpunkt zu stehen. Ich habe kein Problem damit vor hunderten Menschen eine Rede zu halten oder mich geschickt in Szene zu setzen. Bei dieser Veranstaltung zittern jedoch meine Knie, der Hals ist staubtrocken, dafür werden meine Handflächen feucht. Ich sehe lächelnde Gesichter, aufmunterndes Zunicken und vermutlich auch Erleichterung darüber, dass Andi neben mir geht. 

Die Rede der Standesbeamtin bekomme ich kaum mit, aber ich höre meine Mutter hinter mir seufzen. Als wir uns erheben müssen, beginnt mein Herz erneut zu rasen. Ich kann nicht glauben, dass wir es durchziehen. Obwohl ich mir sicher bin, dass ich keinen Ton herausbekomme, ist meine Stimme erstaunlich fest. Dafür krächzt Andi so süß, dass ich ihn am liebsten auffressen möchte.

Mit zittrigen Finger streifen wir uns gegenseitig die Ringe über. Der obligatorische Hochzeitskuss … ich beuge mich vor, will meinem Mann einen schnellen Schmatz auf die Lippen drücken, aber er hat natürlich andere Pläne. Er packt mich am Kragen meiner Anzugjacke. Ein Raunen geht durch den Raum. Ehe ich mich versehe, küsst er mir die Seele aus dem Leib. Trotz der Anspannung kann ich nichts dagegen machen, dass ich augenblicklich hart werde. Seine Zunge streicht über meine Lippen, knurrend lasse ich sie ein, was er hemmungslos ausnutzt, um mich vor all den Leuten symbolisch um den Verstand zu ficken. Aus dem Raunen ist mittlerweile ein Johlen, begleitet von Pfiffen geworden. Schließlich löst sich Andi von mir. Seine Augen leuchten verheißungsvoll.
„Mein Mann“, flüstert er voller Stolz. Ich starre auf seine dunkel glänzenden Lippen und spüre, wie das Blut heiß durch meine Adern rauscht. 

„Dann fehlen nur noch die Unterschriften“, sagt die Standesbeamtin mit einem Räuspern und bittet uns neben sich. Es ist gar nicht so leicht, meinen Namen zu schreiben, wenn sich in meinem Kopf ein ganz anderer Film abspielt. Einer, den Andi mit diesem Kuss gestartet hat und der sich noch immer in meiner Hose manifestiert.
Zu sehen, wie er mit dem gleichen Nachnamen unterschreibt, macht es plötzlich so real. 
 
Hände schütteln, Umarmungen, Gequietsche, Reden, verrückte Geschenke, Musik, Spiele, Tortenschlacht … irgendwann weit nach Mitternacht wiegen Andi und ich uns im Takt eines langsamen Liedes. Er schmiegt sich dicht an mich. Ich genieße seine Wärme, den wunderbaren Duft und die Nähe.

„Fast geschafft“, sage ich leise und kann nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken.
„Jetzt kommt doch erst das Beste“, behauptet er und lächelt mich verschmitzt an. „Gleich kannst du mich aus diesem geilen Anzug auspacken und dann erfährst du auch, weshalb ich beinahe zu spät gekommen bin.“
„Darauf freue ich mich schon den ganzen Tag“, erwidere ich, hebe sein Kinn und hauche einen Kuss auf seine Lippen. „Mindestens so sehr, wie ich mich auf unser gemeinsames Leben freue.“




Mittwoch, 6. Juli 2016

Internationaler Tag des Kusses

Heute ist der internationale Tag des Kusses.
Ich finde es ja immer wieder spannend, was es alles für verrückte Feiertage gibt. Allerdings gefällt mir so ein Kuss-Tag, denn das ist etwas, was ich durchaus selbst mit Leidenschaft betreibe.
In diesem Fall kam mir jedoch sogar eine kleine Blogidee. Da ich mich momentan im Urlaub befinde, lasse ich euch eine kleine "Kuss-Serie" hier. Heute geht es mit der ersten Minigeschichte los, eine weitere folgt am Freitag und dann am nächsten Dienstag (nicht, dass ihr mich in meiner kleinen Auszeit vergesst *lach*)
Ich hoffe, ihr habt Spaß mit den Geschichten.
(da mir diese Aktion mal wieder recht spontan eingefallen ist, sind die Texte unkorrigiert)
Die hübschen Bilder dazu hat Caro Sodar für mich gestaltet. Sie ist echt ein Cover-Engel.
Los gehts:

Begrüßungskuss

Unsicher schaue ich mich um, aber auf den ersten Blick kann ich ihn zum Glück nirgendwo zwischen den Leuten entdecken.
Wir treffen uns im Sommer häufig am See, um ein bisschen zu feiern. Thomas und Steffen stehen am Grill und kümmern sich darum, dass die Steaks und Würstchen, die jeder selbst mitbringt, braun werden. Der Wind weht den Duft von Fleisch zu mir herüber und sorgt dafür, dass mein Magen zu knurren beginnt. Ich nehme einen letzten Schluck aus der Bierflasche und schlendere zu dem beachtlichen Getränkevorrat. Mein Blick schweift über die Leute. Die meisten kenne ich von der Uni, aber nur wenige davon würde ich als Freunde bezeichnen. Wir sind ein lockerer Haufen, haben aber immer viel Spaß hier am Wasser.
Ihn sehe ich noch nicht, dabei habe ich fest damit gerechnet, dass er heute ebenfalls erscheint. Ich presse für einen Moment die Augen zusammen, um das flattrige Gefühl in meinem Bauch loszuwerden. Wieso musste ich mich ausgerechnet in den heißesten Kerl verlieben? Nicht nur das ... ich konnte ja auch nicht nein sagen, als er mich vor ein paar Tagen im Club in den Darkroom verschleppt hat. Die ganze Zeit habe ich mir eingeredet, dass es nur um Befriedigung geht, schneller Sex, ein bisschen Spaß … leider sieht mein verdammtes Herz die Sache ganz anders. Ich kriege diesen Kerl einfach nicht aus meinem Kopf. Das ist so unglaublich idiotisch und ärgerlich.
Ich stelle die leere Flasche in den Kasten, zögere einen Moment und verzichte schließlich auf ein weiteres Bier, obwohl ich mich am liebsten rettungslos besaufen möchte.
Unruhe macht sich in mir breit. Er ist noch immer nicht da. Ich sollte froh sein, aber irgendwie bin ich auch neugierig auf eine Reaktion. Ich erwarte, dass er mich ignoriert. Das würde vielleicht mein Herz beruhigen und die verdammten Gefühle verschwinden wieder. Leider waren sie schon vor dem Sex da … Es war einfach ein bescheuerter Fehler. Ich hätte ihn einfach weiterhin aus der Ferne beobachten können, ein bisschen von ihm träumen, ein klein wenig leiden und dann darauf hoffen, dass es wieder vergeht. Ihn zu berühren und in mir zu spüren, hat die Sache nur unnötig verstärkt und eine irrsinnige Hoffnung geweckt.
Als ich erneut die Umgegend scanne, entdecke ich ihn.
„Marcel“, flüstere ich keuchend und kann mich von seinem Anblick nicht losreißen. Es ist so ungerecht, dass ein einzelner Mann dermaßen sexy aussieht. Viel zu perfekt und damit auch viel zu egoistisch und selbstverliebt. Er dreht eine Runde, begrüßt jeden persönlich. Küsschen rechts und links für die Frauen. Die coolen Kerle begrüßen sich mit Handschlag und einer kurzen, männlichen Umarmung. Ein strahlendes Lächeln, eine kurze Unterhaltung. Er weiß, wie man sich in Szene setzt. Die leicht gebräunte Haut schimmert in Schein der untergehenden Sonne. Das Muskelshirt betont seinen perfekt geformten Oberkörper. Die Shorts hängen lässig auf den Hüftknochen. Ich will ihn nicht dermaßen auffällig anstarren, aber ich kann mich auch nicht ablenken. In diesem Moment wünschte ich mir, eines der Mädchen zu sein. Ich würde alles für einen Kuss geben. Leider gehöre ich auch nicht zu den megacoolen Typen. Ich bin … der schwule Kerl, der irgendwie dabei ist, aber nicht wirklich dazugehört. Ein bisschen zu schwul, nicht genug, um ständig mit Frauen abzuhängen, aber eben auch nicht … Seufzend drehe ich mich weg. Diese Selbstgeißelung muss aufhören. Am besten, ich versuche es am Wochenende mit einem anderen Kerl im Darkroom. Es kann ja nicht so schwer sein, ihn mir aus dem Gehirn ficken zu lassen.
Mein Herz beginnt schneller zu pumpen, je näher er kommt. Vielleicht wäre ein weiteres Bier doch keine schlechte Idee gewesen. Immerhin hätte ich mich an der Flasche gewissermaßen festhalten können.
„Hallo Marcel“, sage ich schließlich, als er vor mir steht und strecke ihm die Hand entgegen. Was als möglichst neutrale Geste gedacht ist, entpuppt sich nun als Fehler. Denn er zieht mich zu sich heran und sorgt dafür, dass ich das Gleichgewicht verliere und unsanft gegen seine Brust pralle. Sein leises Lachen jagt mir eine Gänsehaut über den Körper.
„Schön, dich so nah zu haben, Jonas“, flüstert er viel zu dicht an meinem Ohr.
„Ich .. ähm, das war nicht mit Absicht“, erwidere ich verwirrt, löse unsere noch immer verschränkten Finger und versuche, Abstand zwischen uns zu bringen.
„Schade“, raunt er, umschließt mit seinen Händen mein Gesicht und zwingt mich, ihn anzusehen. Meine Beine werden ganz weich, als ich in den blauen Augen meines Gegenübers versinke. Ich schlucke schwer, während das Blut in einem Höllentempo durch meinen Körper rauscht.
Sein Gesicht kommt näher und ich halte die Luft an. Die erste Berührung unsere Lippen ist wie ein elektrischer Schlag, der sämtliche Nerven entzündet. Ich kann nichts dagegen machen, dass meiner Kehle ein sehnsüchtiges Wimmern entkommt. Erneut berührt er meinen Mund. Diesmal mit mehr Nachdruck. Winzige Küsse, die ich kaum erwidern kann. Ein sanftes Zupfen an meiner Unterlippe, Zähne, die die sensible Haut reizen, eine Zunge, die entschuldigend darüber fährt. Ich halte still, bin unfähig mich zu bewegen, habe Angst den Augenblick zu zerstören.
„Darauf habe ich die ganze Woche gewartet“, sagt Marcel leise und reißt mich aus meiner Starre. Seine Hände verschwinden von meinem Gesicht und legen sich stattdessen besitzergreifend auf meinen Hintern. Er zieht mich dicht zu sich heran. Noch immer habe ich das Gefühl, in einem Traum gefangen zu sein und fürchte mich davor, jeden Moment zu erwachen. Das kann einfach nicht sein ... niemals würde Marcel mich küssen, schon gar nicht hier am See, vor all den Leuten.
„Was tust du?“, erkundige ich mich schließlich mit rauer Stimme.
„Ich locke dich und hoffe, dass du irgendwann reagierst und mich nicht auflaufen lässt.“
Noch ehe die Worte mein matschiges Gehirn erreicht haben, platziert er weitere federleichte Küsse auf meinen Mund.
„Auflaufen?“, murmle ich und begreife überhaupt nicht, was hier mit mir geschieht.
Eine Hand wandert von meinem Arsch, über den Rücken bis hinauf zu meinem Nacken. Die Finger greifen nach meinen Haaren. Heftige Schauer laufen über meine Körper.
„Zuerst machst du mich mit deinen Blicken verrückt, dann schaffe ich es endlich, dich abzuschleppen, aber du verschwindest danach wortlos. Ich hatte echt Sorge, ob du heute überhaupt hier auftauchst. Aber zum Glück bist du da.“
„Ja“, sage ich vollkommen sprachlos.
„Und jetzt halte ich dich fest, damit du mir nicht erneut entkommst.“
„Du hältst mich fest?“
„Natürlich.“ Die Hand an meinem Hintern packt zu und entlockt mir ein Keuchen.
Ich schließe für einen Moment die Augen, atme tief durch und setze alles auf eine Karte. Stürmisch schlinge ich meine Arme um seinen Hals und presse meinen Mund auf seinen. Marcel reagiert mit einem Seufzen, das nicht nur meinen Schwanz hart werden lässt, sondern mein Herz zum Stolpern bringt. Seine Zunge bittet um Einlass und die Welt beginnt sich schneller zu drehen.
Es ist verrückt … perfekt … atemberaubend …
„Na endlich“, höre ich eine Stimme neben uns. „Hast du den Kleinen doch noch eingefangen? Dann hat dein Leiden ja nun ein Ende.“
Marcel löst sich knurrend von mir und wirft dem Kerl neben uns einen grimmigen Blick zu. Dieser haut ihm lachend auf die Schulter.
„Leiden?“, erkundige ich mich fassungslos.
„Nicht mehr wichtig“, erwidert er und auf seinen Wangen erscheint tatsächlich ein Hauch Rot. Unglaublich!
Marcel greift nach meiner Hand und zieht mich hinter sich her. Abseits der Gruppe, lässt er sich ins Gras fallen. Ich setze mich neben ihn und starre ihn neugierig an.
„Genau dieser Blick“, sagt er schmunzelnd. „Damit hast du dich in mein Herz geschmuggelt. Ich dachte, es wird besser, wenn wir ficken … aber, damit hast du mich erst recht süchtig gemacht. Ich will mehr von deinem Körper, mehr von diesem unglaublichen Lauten und ich will vor allem … mehr von dir.“
„Das ist...“, sage ich und weiß nicht weiter, denn mein Kopf ist vollkommen leer.
„Bescheuert, ich weiß“, behauptet Marcel und rupft frustriert ein paar Grashalme heraus.
„Wunderbar“, rufe ich und werfe mich grinsend auf ihn. Erneut finden sich unsere Lippen. Noch nie war ein Kuss so voller süßer Versprechungen und gleichzeitig dermaßen erregend, dass ich mir sicher bin, jeden Moment zu explodieren.

Zwei Monate später weiß ich, dass Marcel selbst aus einem kleinen Begrüßungskuss ein erotisches Abenteuer machen kann. Der Kerl ist verrückt … verrückt nach mir und ich kann nicht genug davon bekommen.

********
Am Freitag gibt es einen neuen Kuss!