Caro Sodar, Mia Grieg, Sitala Helki und Karo Steinn auf der Buch Berlin

Donnerstag, 31. März 2016

Sechs Jahre kath auf Fanfiktion.de

Vermutlich denke ich jedes Jahr das gleiche: Unfassbar, wie die Zeit vergeht! Das kann doch gar nicht schon so lange her sein, als ich mir einen Account bei fanfiktion.de zugelegt habe ... Und doch waren es am 24.3. stolze sechs Jahre.
Ich gebe zu, dass ich gern in Erinnerungen schwelge. Die Geschichten auf fanfiktion sind mir zu einem Zeitpunkt begegnet, wo es mir nicht besonders gut ging. Lesen hat mich von meinem Alltag abgelenkt und vielleicht auch dafür gesorgt, dass ich diese Zeit sehr viel besser überstanden habe, als ich es jemals erwartet hätte. Dabei hatte ich bis dahin überhaupt keine Ahnung davon, dass es Portale mit kostenlosen Geschichten gibt. Und dann noch mit "dieser" Art von Geschichten ...
Mein Einstieg war vermutlich beinahe klassisch. Das unbefriedigende Ende von Queer as Folks hat mich auf diese Seite gebracht (mittlerweile empfinde ich es längst anders, aber damals... und so beim ersten Ansehen, hat es mich schon ziemlich unglücklich gemacht). Die wunderbaren Geschichten von Raik Thorstad zu diesem Thema haben mich viele, viele Stunden gefesselt. Und ehrlich gesagt, lese ich sie auch heute noch gern (zum Glück habe ich sie gut gesichert!)
Irgendwann bin ich im Prosabereich gelandet und auch dort hatte ich schnell  Favoriten gefunden, denen ich auch heute nicht widerstehen kann.
Ich weiß nicht, wie ich auf die tollkühne Idee kam, selbst zu schreiben. Es war ein Versuch, ein kleines Experiment ... eine winzige Idee, die sich immer mehr in meinem Kopf festsetzte und keine Ruhe gab, bis ich sie in den Laptop getippt hatte.
Die Aufregung vor der ersten Veröffentlichung kann ich heute noch spüren. Das ungeduldige und gleichzeitig panische Warten auf den ersten Kommentar, das nervöse Stalken der Anzahl der Klicks... Es war eine verdammt aufregende Zeit für mich, denn alles war neu und irgendwie unglaublich, ja beinahe irreal.
Ich habe viele neue Leute kennengelernt, Freunde gewonnen, positive und negative Erfahrungen gemacht und großartige Dinge erlebt.

Sechs Jahre als kath auf fanfiktion, das bedeutet:
  • 29 Geschichten mit 219 Kapiteln
  • 485.200 Aufrufe der Geschichten 
  • 1084 Leser haben mich als Autor favorisiert
  • 371 Empfehlungen für meine Geschichten
 Die Top Five der von euch am meisten favorisierten Geschichten:
  1. Willst du ein Eis? 897 Favoriten
  2. Arabische Nächte 864 Favoriten
  3. GefühlsChaos  803 Favoriten
  4. Verschlossene Türen 798 Favoriten
  5. Regentropfen 679 Favoriten
Ich habe im Moment zwei Geschichten, die nicht beendet sind. Die meisten kennen beide Baustellen und sehnen neue Kapitel herbei.

Sechs Jahre bedeuten natürlich auch Veränderungen. Es gab Zeiten, da habe ich jede freie Minuten auf dem Portal verbracht. Ich habe mehr oder weniger alles konsumiert, was im Bereich slash zur Verfügung stand. Dann nahm das eigene Schreiben mehr Raum ein und schließlich veränderte sich auch das Gefühl für die Plattform. Ich will mich nicht über die sinkende Anzahl von Reviews beklagen, denn ich habe mich schon immer genau so sehr über die Zahlen derer gefreut, die einfach nur meine Geschichten gelesen haben.
Trotzdem hat die Bedeutung des Portals nachgelassen, was natürlich auch in den Möglichkeiten der ebooks liegt und an der Tatsache, dass ich irgendwann den Sprung von der Hobbyschreiberin zur freien Schriftstellerin gewagt habe.
Aber eines ist in all den Jahren gleich geblieben: Der Spaß am Schreiben, die Aufregung vor jeder Veröffentlichung, die Zweifel, ob meine Geschichten ankommen und die unbändige Freude über positives Feedback.
Ich weiß, wie viel ich fanfiktion.de und den Lesern und Autoren zu verdanken habe. Auch wenn ich dort längst nicht mehr so aktiv bin, wird es immer ein Teil meines Schriftstellerlebens sein... Die Geburtsstunde einer Fähigkeit, von der ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie in mir schlummert.
  

Mittwoch, 30. März 2016

Auslosung Osterspaß Teil 5

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für die vielen Kommentare zu dieser kleinen Geschichte bedanken.
Vermutlich hätte sie länger oder ausführlicher sein können, aber es ist nun mal eine Kurzgeschichte, die lediglich ein bisschen Unterhaltung und Spaß bringen soll.
Ich freue mich, dass ihr die versteckten Geschichten gefunden habt und muss ehrlich gestehen, dass es ein großes Vergnügen war, sie irgendwie in den Plot einzubauen.
Im gestrigen Kapitel hatte sich tatsächlich Edwin aus "Regentropfen" versteckt.
Gewonnen hat:
 Daniela K.
 Herzlichen Glückwunsch! 
(bitte schick mir deine Adresse per mail an: kath74@gmx.de)

Damit ist meine Osteraktion beendet. Ich hoffe, ihr hattet ein paar schöne und erholsame Feiertage. 

Sollte jemand die ein oder andere versteckte Geschichte nicht gekannt haben, habe ich hier ein paar Links: 

WhiskyTeufel als ebook und Print gibt es z.B. bei Amazon oder beim Cursed Verlag
Arabische Nächte ist eine Onlinegeschichte hier 
Milchschaum ist eine Onlinegeschichte hier
Willst du ein Eis? erscheint demnächst als ebook und print. Noch kann man es hier lesen  
Regentropfen ist ebenfalls eine Onlinegeschichten hier

Dienstag, 29. März 2016

Osterspaß Teil 5

Ich schaffe es nur äußerst selten, die geplante Anzahl an Kapiteln einzuhalten. Weshalb sollte es bei dieser kleinen Geschichte anders sein? Damit verlängere ich Ostern um einen weiteren Tag und natürlich auch die kleine Gewinnaktion.
Diesmal ist es ... hm, eigentlich ganz leicht, aber möglicherweise auch nicht, weil es nur einen einzigen Hinweis ziemlich am Ende gibt. Deshalb habe ich hier noch einen weiteren Tipp: In der gesuchten Geschichte regnet es unglaublich viel.
Bevor ihr einen letzten Einblick in Freds Leben bekommt, gibt es hier noch die Auflösung des gestrigen Kapitels. Die gesuchte Geschichte war "Willst du ein Eis?"
Gewonnen hat:

SaSiVa
Herzlichen Glückwunsch 
(schick mir deine Adresse bitte per mail an: kath74@gmx.de)

Viel Spaß mit dem kleinen Epilog: 

Ein Nerd im Osternest
 
5.
Eigentlich sollten wir reden. Irgendwie tun wir das auch ... Unsere Körper sind in einem intensiven Gespräch. 
Wir erkunden und schmecken uns, tasten, fühlen, kitzeln. Holgers Stöhnen motiviert mich, die Gänsehaut, die unter meinen Fingern entsteht, erregt mich. 
Blicke, die sich ineinander verhaken, Lippen, die sich sanft berühren, gieriger werden und den anderen am liebsten verschlingen möchten. 
Das Blut rauscht in meinen Ohren, mein Kopf ist voller watteweicher Gedanken. 
Immer wieder tauche ich daraus auf, bin mir sicher, dass wir aufhören sollten und doch kann ich mich selbst nicht dazu animieren, vernünftig zu sein. Es ist ein Rausch, ein wahnsinnig tolles Gefühl ... Es ist gleichzeitig so viel mehr als das. 

Atemlos halten wir inne, sehen uns an, lächeln, seufzen, reiben die Nasen aneinander.
Irgendwie schaffen wir es ins Wohnzimmer, fallen auf ein weiches Sofa und versinken augenblicklich wieder in unendlichen Berührungen und Küssen. 

Störenden Klamotten fliegen durch den Raum. Noch nie war mein Bedürfnis nackte Haut zu fühlen, größer als in diesem Moment. Ich brenne und die Hitze lässt mich ungeduldig werden. Holger lacht leise und sorgt dafür, dass wir beide in schwindelerregender Geschwindigkeit nackt sind. Als das letzte Stück Stoff verschwunden ist, halten wir inne und betrachten uns staunend.

Der Sturm legt sich augenblicklich und weicht einer unfassbaren Ruhe. Es kommt mir vor, als würde die Zeit plötzlich viel langsamer vergehen. Sekunden, die sich wie Minuten anfühlen und doch immer noch zu schnell sind. Ich möchte jede Einzelheit seines Körpers in Bildern abspeichern, kann nicht glauben, dass es wirklich geschieht. 

Wir haben es nicht mehr eilig, sondern genießen die Nähe, berauschen uns am Duft, reiben uns dem Höhepunkt entgegen. Holger beißt mir verspielt in den Hals. Ich streiche über seinen Rücken, spüre die festen Muskeln unter der samtigweichen Haut. Wir spielen, treiben uns voran und halten uns gleichzeitig auf einem Level, auf dem wir noch eine Ewigkeit dahingleiten könnten.
Ich habe das Gefühl mich aufzulösen, in tausende kleine Splitter zu zerspringen und gleichzeitig wieder zusammengesetzt zu werden. Die Umgebung versinkt, während wir durch ein gemeinsames Universum schweben, höher steigen und dann wieder ins Bodenlose fallen. 
Wir lachen und stöhnen und knutschen, bis wir in Flammen stehen, jede Zelle explodiert und es keinen Weg zurück gibt. 
Keuchend halten wir uns fest. Unsere Haut ist nassgeschwitzt und klebrig. 

Nur allmählich klären sich meine Sinne und ich nehme die Umgebung wahr.
Dieses Wohnzimmer ist das komplette Gegenteil von dem, was ich bei Mike gesehen habe. Das Sofa fühlt sich auch anders an. Der Gedanke schießt mir so plötzlich durch den Kopf, dass ich mich stöhnend unter Holger vorschiebe. Ich will diese Bilder nicht in meinem Kopf. Sie lassen das wunderbare Gefühl wie Luftballons platzen. 

„Hey“, sagt Holger leise und schlingt seine Arme um meinen Bauch. „Wo willst du denn hin?“
Ich presse die Augen fest zusammen und versuche mich auf ihn einzulassen, aber die besondere Stimmung verschwindet, ohne dass ich weiß, was ich dagegen machen kann. Ich lehne mich gegen ihn und atme tief durch. 

„Das Eis ist bestimmt geschmolzen“, nuschle ich wenig geistreich. Holger lacht und zieht mich noch fester an sich.
„Ich hoffe so sehr, das es geschmolzen ist“, flüstert er mir ins Ohr. „Ich will es so sehr, will, dass die ganzen Missverständnisse verschwinden und das wir uns eine Chance geben.“
„Hast du sie nicht gerade bekommen?“
„Das ist längst nicht genug.“
„Aha“, sage ich leise und ein seltsam flaues Gefühl macht sich in meinem Bauch breit.
„Ich will mehr“, fügt er hinzu. „Verstehst du, Fred? Ich bin nicht wie Mike oder wie die meisten andern Kerle. Ich brauche...“
„Ja?“, unterbreche ich ihn und drehe mich so, dass ich ihn ansehen kann.
„Sicherheit.“ Er grinst mich schief an und rote Flecken bilden sich auf seinen Wangen. „Ich weiß nicht, ob wir das hinkriegen, aber ich würde es gern versuchen. Nur eben … ernsthaft und richtig.“
„Ernsthaft und richtig?“, wiederhole ich und kann ein Glucksen nicht unterdrücken. „Ernsthaft ... Wenn ich mich recht erinnere hast du mich in die Höhle des Löwen geschickt, obwohl du es auch weniger dramatisch hättest haben können.“
„Ach ja und wie?“

Ich starre ihn an und schüttle amüsiert den Kopf. „Du hättest nach einem Date fragen können. Vielleicht hätten wir uns irgendwann während der Ostertage getroffen, wären Essen gegangen oder ins Kino oder vielleicht hätten wir einen Spaziergang gemacht... und wir hätten miteinander geredet und irgendwann hättest du herausgefunden, dass ich niemand bin, der durch die Gegend fickt.“
„Na ja, du hast mit Mike... weil Mike früher oder später einfach jeden kriegt“, wendet er ein.
„Er hat mich mit diesem verdammten Whisky besoffen gemacht. Aber ja, ich war natürlich nicht abgeneigt und ich hatte es auch ein bisschen nötig. Das heißt jedoch nicht, dass eine solche Prüfung wirklich nötig gewesen wäre. Was hat sie dir denn gebracht?“
„Nichts … oder vielleicht alles...“
„Es lässt sich nicht mehr rückgängig machen, aber ich bezweifle, dass das der richtige Weg war. Du wirst mir ein bisschen vertrauen müssen, denn das mache ich auch.“
„Wenn ich dafür sorge, dass du in sexueller Hinsicht keinerlei Defizite haben wirst...“

Ich schwinge die Beine über seinen Schoß, lege die Hände auf seine Wangen und bringe ihn dazu mich anzusehen.
„Hör auf, so einen Unsinn zu reden. “, sage ich eindringlich. „Vertrauen, Holger … Allmählich habe ich den Eindruck, dass du doch so ein Nerd bist, wie ich es mir vorgestellt habe. Einmal abgesehen von den Äußerlichkeiten... die sind ja durchaus okay, aber in deinem Kopf geht doch eindeutig was durcheinander.“

„Okay?“, ruft er entsetzt und beginnt mich auszukitzeln. Lachend flüchte ich vor ihm, habe allerdings nicht bedacht, wie schnell und kräftig Holger ist. Ehe ich mich versehe, hat er mich gepackt und ein Stück vom Boden hochgehoben. Ich spüre seine Härte und Erregung macht sich schlagartig auch in mir breit. 

„Kein weitere Sex vor dem ersten Date“, sagt Holger und stellt mich wieder auf die Füße. Ich schüttle grinsend den Kopf und greife nach seiner Hand, um auf jeden einzelnen Finger einen Kuss zu hauchen. Anschließend schiebe ich sie über meinen, immer noch nackten Körper bis hinunter zu meiner deutlichen Errektion. 

„Hör auf zu denken“, flüstere ich und verwickle Holger in einen Kuss, der ihn zum Beben bringt.
Wir landen auf einer großen grünen Decke und zeigen uns noch einmal, wie viel besser unsere Körper die Sache mit der Kommunikation drauf haben. Noch nie habe ich mich so behütet und geborgen dabei gefühlt, noch nie so begehrt und gleichzeitig verrucht und geil. Holger zieht die Decke über uns und sie hüllt uns ein wie ein riesiges Osternest.

Holger hält sein Versprechen. 
Ich bekomme alles und noch viel mehr, nämlich einen Ring an meinen Finger und ein gemeinsames Eheversprechen am Ostersamstag. Der Standesbeamte sorgt mit seiner Rede dafür, dass Holgers Oma hinter uns ziemlich laut schluchzt. Mir gehen seine Worte auch nah, weil sie einen Teil dessen, was wir im letzten Jahr gemeinsam erlebt haben, widerspiegeln. Ich fand den Mann schon bei den Vorbesprechungen ziemlich beeindruckend, denn er hat so eine fröhliche und optimistische Ausstrahlung. Ein bisschen verrückt vielleicht, aber die Zeremonie hat er wunderbar feierlich gestaltet. 
Selbst Mike, der unser Trauzeuge ist, kann kaum verbergen, dass er ergriffen ist. Ich mustere ihn von der Seite, während wir uns für ein gemeinsames Foto aufstellen. Er ist irgendwie aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Unser bester Freund, ganz ohne Sex, allerdings niemals ohne eine kleine Stichelei über einen verhängnisvollen Whiskyabend und einen überdimensionalen Luftballonpenis.

ENDE

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An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei allen, die diese Geschichte verfolgt und kommentiert haben. Ich freue mich sehr, dass euch meine kleine Idee gefallen hat.

Auch heute gibt es noch einen Collegeblock A5. Viel Spaß beim Raten.


Montag, 28. März 2016

Osterspaß Teil 4

Heute bin ich ein bisschen spät dran. Manchmal spielt die Muse verrückt und dann kommen auch noch ungeplante Dinge dazwischen und hauen den ohnehin schon knappen Zeitplan komplett durcheinander.
Immerhin ist Ostermontag noch nicht vorbei, ich bin also quasi noch im Zeitlimit. Mit dem Schreiblimit sieht es jedoch ganz anders aus, deshalb gibt es morgen noch ein weiteres Kapitel.
Gestern war es anscheinend nicht ganz so einfach. Trotzdem haben die meisten von euch dann doch noch Henry und Noah aus "Milchschaum" erkannt. Das war schließlich ebenfalls eine Ostergeschichte.
Der Osterhase hat folgende Gewinnerin ermittelt:

Kathrin Heinzmann
Herzlichen Glückwunsch
(bitte schick mir deine Adresse per mail an: kath74@gmx.de)  

Und nun geht es weiter mit Fred und seiner etwas chaotischen Osterzeit.
Viel Vergnügen!

 Ein Nerd im Osternest
4.
Wenn es einen Preis für die Dramaqueen des Jahres gibt, dann bekomme ich ihn wohl. Noch immer kann ich nicht fassen, dass ich wie ein verschreckter Osterhase die Flucht ergriffen habe. 
Ich bin weggelaufen! 
Das ist … Scham flutet jede einzelne Zelle meines Körpers. Ich versuche nicht daran zu denken, aber immer wieder spielt sich die gleiche Szene in meinem Kopf ab. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, was mich dazu gebracht hat, abzuhauen. Der Kuss war großartig. Der Blick, mit dem mich Holger ansehen hat, war zum Dahinschmelzen. Für eine Sekunde hatte ich das Gefühl, alles wäre perfekt, aber dann rasten wie in einem Schnelldurchlauf die Bilder und Sequenzen der letzten Tage durch meinen Kopf und haben mich regelrecht in Panik versetzt. 

Obwohl ich mich keineswegs für eine Memme halte, hatte ich doch den Eindruck, dass ich nicht unbeschadet aus dieser Sache herauskommen werde. Bin ich ja auch nicht. Ich leide, ich verbrenne vor Scham und ich habe bereits Unmengen an Eis in mich hineingelöffelt. Das Osterwochenende habe ich mich in meiner Wohnung verschanzt, um bei jedem Klingeln meines Smartphones verschreckt zusammenzuzucken. Dabei waren es harmlose Anrufe, ein paar Freunde und meine Eltern, die meine Entschuldigung, dass ich mich krank fühle, problemlos akzeptiert haben. Vermutlich hätten sich andere Eltern mehr Sorgen gemacht, aber das ist okay. Das Eis hat mich auch ganz wunderbar über diese Tatsache hinweggetröstet. 

Zum Glück vergeht die Zeit, auch wenn man mit Nichtstun oder albernen Vorsichhingrübeln beschäftigt ist. Nach zwei Tagen, vier Litern Eis und diversen Sportberichten im Internet, inklusive der Wiederholung der gesamten Floorballweltmeisterschaft, fühle ich mich heute einigermaßen bereit, den Alltag wieder willkommen zu heißen. 

Nach den Feiertagen ist natürlich kaum etwas los. Die Zeit der Geschenke ist vorbei, dafür habe ich allerdings tatsächlich einige Anfragen für Auftritte bekommen. Das Bild von Holger, mir und dem Frosch, das ich heute morgen in der Zeitung entdeckt habe, lässt mich leise aufstöhnen. Das war wirklich knapp. Ich betrachte es eine ganze Weile. Holger sieht wirklich verdammt gut aus, während ich geradezu lächerlich neben ihm wirke. 

Um mich abzulenken, beginne ich die Osterdekoration abzubauen. Die Verpackungsmaterialien, auf denen sich Eier und Häschen tummeln, räume ich ebenfalls wieder in die entsprechenden Kisten und lege den Schwerpunkt der Deko stattdessen auf den Frühling. 

Danach surfe ich ein bisschen im Internet auf der Suche nach neuen Ideen, sowohl für die Ballons als auch was Geschenkeverpackungen betrifft. An meinem Lieblingsonlinehändler komme ich natürlich nicht vorbei. Die Chance, dass ich dort ohne Bestellung verschwinde, ist meist gering und auch heute habe ich bereits nach wenigen Minuten die ersten Artikel in den Warenkorb gesteckt. Seufzend stütze ich meinen Kopf mit dem linken Arm ab, während ich rechts mit der Maus durch das Angebot klicke. Ich kann es nicht verhindern, dass immer wieder diese verdammten Augen erscheinen und meine Lippen zu kribbeln beginnen. Es ist wohl kaum zu leugnen, dass ich mich ein bisschen in diesen bescheuerten Typ verknallt habe. Vermutlich schon, als er zum ersten Mal in meinem Laden stand. Jetzt habe ich ein gebrochenes Herz und muss mich fragen, ob ich nicht selbst Schuld daran bin. Was mich prompt wieder zum meinen Davonlaufen bringt. 

Grummelnd schließe ich die Augen. „So ein Mist“, nuschle ich vor mich hin.
„Ja, das war so richtig doof“, bekomme ich zur Antwort. Ich schüttle den Kopf, weil ich jetzt sogar schon anfange, Holgers Stimme zu hören.
„Herr Schmelzer?“ Das klingt doch nach Frau Schulze. Verwirrt öffne ich die Augen. Es dauert eine Weile, bis ich das Bild vor mir als Realität akzeptiere. „Sind Sie wirklich eingeschlafen?“, erkundigt sich die alte Dame und grinst mich verschmitzt an.
„Ich … bin mir nicht so sicher“, erwidere ich mit krächzender Stimme.
„Sie sehen auch ein bisschen blass aus. Hoffentlich werden Sie nicht krank. Erkältungen gehen ja wieder um.“

„Oma“, mischt sich nun auch Holger ein. Ich starre ihn mit offenem Mund an, während er es diesmal ist, der ein klein bisschen rot wird.
„Das geht so schnell mit diesen Viren“, sagt sie und sieht mich mitfühlend an.
„Ich glaube, ich habe mir wirklich einen Virus eingefangen“, murmle ich und kann noch immer nicht begreifen, was hier vorsich geht.
„Siehst du?“ Sie wendet sich an Holger, der tatsächlich zerknirscht wirkt. „Da hilft nur Ruhe und Pfefferminztee.“
„Ich nehme Eis und schicke die verdammten Viren in den Kältetod.“
In diesem Moment treffen sich unsere Blicke. Fragend sieht mich Holger an, aber ich schüttle nur den Kopf. Ich will nicht mit ihm reden, ich will vor allem nicht, dass er hier ist.

„Was kann ich denn für Sie tun?“, erkundige ich mich stattdessen bei Frau Schulze, so gefasst wie möglich.
„Mein Enkel braucht ...“ Sie deutet auf Holger und mir entgleisen endgültig die Gesichtszüge.
„Das ist ihr Enkel?“, falle ich ihr ins Wort und kralle mich an meinem Tisch fest, weil ich das Gefühl habe jeden Moment vom Stuhl zu fallen.
„Aber das habe ich doch vorhin schon gesagt.“ Sie mustert mich kritisch. Vermutlich überlegt sie, ob sie meine Stirn befühlen soll, denn mir wird gerade sichtbar heiß.
„Ich habe Ihnen doch schon vor Ostern von Holger erzählt. Der junge Mann mit der Computerfirma...“
„Der Nerd?“, frage ich fassungslos und starre Holger an, der sich nun wieder gefangen hat und sich  prächtig zu amüsieren scheint. Schon wieder … und auf meine Kosten. Das macht mich echt wütend.

„Wie kommst du darauf, dass ich ein Nerd bin?“
„Ich sollte es wohl in Idiot revidieren.“
„Ja, das passt sehr viel besser“, gibt er zu und schenkt mir ein Lächeln, dass die Aufruhr in meinem Körper noch zusätzlich erhöht. Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll und ich habe das Gefühl, dass mir immer noch ein wichtiges Puzzelteil fehlt. 

Frau Schulze beginnt zu kichern und lenkt mich damit von dem Chaos in meinem Kopf ein wenig ab. „Eigentlich sind wir hier, weil wir eine schöne Geschenkverpackung brauchen.“
„Tatsächlich?“
„Ja, Holger Mutter hat nächste Woche Geburtstag. Wir haben hier einen Gutschein für eine Kurzreise. Ich finde den Umschlag allerdings ein bisschen langweilig.“
„Das ist er in der Tat“, erwidere ich lächelnd und wende mich dann an Holger. „Hast du dich etwa nicht getraut allein herzukommen?“
„Das war eine spontane Idee“, antwortet Frau Schulze für ihn. „Wir kommen gerade vom Reisebüro. Es passiert ja so selten, dass mein Großer mit seiner Oma mal einen Bummel durch die Stadt macht, da dachte ich, ich zeige ihm mal das Geschäft, in der ich immer so wunderschöne Verpackungen bekomme.“

„Ach?“, frage ich ironisch und diesmal sind es meine Augenbrauen die bis zum Haaransatz wandern. Holger grinst mich unsicher an und erneut habe ich den Eindruck, dass seine Wangen sich verfärben. Das bringt mich Herz zum Rasen und sorgt für ein unbändiges Flattern im Bauch. Vermutlich werde ich weiteren Unmengen Eis brauchen, dazu noch mehr Floorball und vielleicht auch eine Liebesgeschichte mit einem echten Happy End, um mich von diesem Anblick zu erholen.
„Ich bin aber auch eine vergessliche alte Frau. Wir wollten doch noch die Lieblingspralinen deiner Mutter kaufen.“ Sie schüttelt den Kopf und stemmt die Arme in die Hüfte. „Ich werde langsam wirklich senil.“
„Das ist doch okay so, Oma“, wendet Holger ein.
„Nein, ist es nicht. Zum Glück ist es nicht weit. Ich gehe schnell los und du wartest hier solange.“
„Ich kann auch gehen.“ 

Es wäre mir ebenfalls lieber, wenn er die Pralinen besorgen würde. Die Aussicht allein mit ihm zurückzubleiben, sorgt dafür, dass meine Beine sich in Pudding verwandeln. Leider ist Frau Schulze nicht davon abzubringen. Sie zwinkert mir sogar zu, als sie die Tür aufzieht und eilig nach draußen geht. Versucht sie sich etwa doch als Kupplerin oder hat er ihr von unseren bisherigen Zusammentreffen erzählt? Beide Alternativen finde ich seltsam, aber sie sind bei weitem nicht so schlimm, wie die angespannte Stimmung, die sofort entsteht, als die alte Dame aus unserem Blickfeld verschwindet. 

„Was soll das alles?“ Resigniert sehe ich ihn an. Holger zuckt mit den Schultern, nimmt einen Rucksack von seiner Schulter und öffnet ihn. Zum Vorschein kommt eine Flasche Whisky, die er vor mir auf den Tisch stellt.
„Kannst du sie einpacken?“
„Bunt und kitschig?“, erkundige ich mich zähneknirschend.
„Das überlasse ich dir.“
„Brauchst du auch wieder eine Karte? Ich habe da noch ein paar wirklich scheußliche Motive zur Wahl.“
„Lieferservice.“
Ehe darauf antworten kann, schiebt er mir eine Visitenkarte zu.
„Hältst du mich für eine Nutte?“ Wütend fege ich seine Adresse vom Tisch.
„Ich halte dich für einen Mann, bei dem ich mich jedes Mal von neuem zum Idioten mache“, sagt er leise.
„Da scheinen wir ja schon zu zweit zu sein“, murmle ich und weiß nicht, ob ich lachen oder wütend schreien soll. Das ist alles so verrückt und ungerecht und … weiter komme ich mit meiner inneren Selbstgeiselung nicht, denn Holger greift nach meinem Nacken und zieht mich über den Tisch zu sich heran. Ehe ich protestieren kann, spüre ich seine Lippen. Ein sehnsüchtiges Stöhnen entkommt meinem Mund. Es ist falsch und richtig und irgendwie perfekt … und falsch... Verdammt, es ist falsch. Mühsam befreie ich mich von ihm und würde mir am liebsten mit dem Handrücken über die Lippen wischen.
„Wieso machst du das?“
Sein Blick ist so intensiv, dass ich das Gefühl habe, er kann tief in mich hineinblicken, dann knallt er mit dem Kopf auf die Tischplatte und stöhnt schmerzhaft auf.
„Das war doch überhaupt nicht geplant“, nuschelt er.
„Wie sah der Plan denn aus?“
„Ich war doch nur neugierig. Meine Oma schwärmt schon seit einer Ewigkeit von dir und diesem Geschäft hier. Sie ging mir damit schon ein bisschen auf die Nerven, also habe ich gedacht, ich schau mir die Sache mal selbst an.“
„Und dann hast du auf den ersten Blick erkannt, dass ich wie eine Schlampe behandelt werden sollte?“
Er hebt den Kopf und grinst mich schief an. „Ich habe auf den ersten Blick mein verdammtes Herz verloren. Dabei war ich mir sicher, dass mir so etwas nicht mehr passieren würde. Nicht nach Mike und dem ganzen Scheiß, den er mit mir abgezogen hat.“
„Du hast was? Aber … Ich verstehe echt überhaupt nichts.“ Dafür fühle ich mich gerade unglaublich überfordert. Mit Sicherheit habe ich mich verhört bei dieser Sache mit dem Herz, denn das ergibt doch alles gar keinen Sinn.

„Ich war so wütend auf Mike und vermutlich irgendwie auch auf jeden anderen Mann. Eigentlich wollte ich ihm nur dieses Abschiedsgeschenk bringen, aber dann sind mir die Sicherungen durchgeknallt. Letztendlich lag ich ja gar nicht so verkehrt. Niemand kann ihm widerstehen... und ich werde immer als Verlierer aus der Sache herausgehen...“
„Moment mal“, unterbreche ich seine Rede, die ich kaum begreifen kann. „Was soll das denn bedeuten? Du hast mich zu deinem sexgeilen Ex geschickt und... Was hast du denn genau erwartet?“
„Keine Ahnung“, gibt Holger zu und seufzt schwer.

„Einmal abgesehen davon, dass ich keine Problem damit habe, treu zu sein, gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Anlass dafür. Er war geil und ich hatte tatsächlich einen Fick mal wieder nötig. Nichts hat darauf hingewiesen, dass du … also … Was genau wolltest du damit denn erreichen?“
„Ich … wollte, dass … er sollte … er hätte doch ohnehin ...“
„Was, Holger?“, schreie ich ihn kopflos an.
„Ich bin ein Idiot“, nuschelt er nun. Ein unangenehmes Schweigen breitet sich zwischen uns aus, das erst unterbrochen wird, als Frau Schulze fröhlich mit dem Pralinenkasten winkend zurück in den Laden kommt. 

„Da ist er und jetzt wird es das perfekte Geschenk für deine Mutter.“ Sie freut so sehr darüber, dass sie offenbar nicht mitbekommt, wie unangenehm und aufgeheizt die Stimmung ist. Ohne weiter darüber nachzudenken, widme ich mich der Arbeit und gebe dem Geburtstagsgeschenk eine angemessene Hülle. 

„Schau nur, Holger, wie hübsch...“ Frau Schulz klatscht begeistert in die Hände. Holger stimmt ihr zu und zückt seine Brieftasche, um zu bezahlen. Wortlos wechselt das Geld den Besitzer und dann verlassen die beiden meinen Laden. Frau Schulze verabschiedet sich wortreich, während Holger mir nur einen kurzen Blick zuwirft. Erleichtert sacke ich hinter meinem Tresen zusammen, als sie die Straße entlanggehen und aus meinem Sichtfeld verschwinden. Allerdings fällt mir im gleichen Moment auf, dass er die verfluchte Whiskyflasche vergessen hat. 

Ich verbringe den Rest des Tages damit den Alkohol anzustarren, als würde er mir die richtigen Antworten geben können. Immer wieder versuche ich eine Logik in dem zu finden, was Holger mir gesagt hat. Nichts davon ergibt einen Sinn, sodass ich meinen ursprünglichen Plan hinsichtlich einer großen Menge Vanilleeis wieder in Betracht ziehe. 

Kurz vor Feierabend reißt mich die Türglocke aus meinen wirren Gedanken. Als ich aufblicke, steht Mike vor mir und grinst mich süffisant an.
„Ich dachte, ich guck mir mal dein Geschäft an“, sagt er, kommt auf mich zu und drückt mir einen Kuss auf die Wange.
„Du hast mir heute echt noch gefehlt“, nuschle ich und frage mich, was ich dem Universum getan habe, damit ich so bestraft werde.
„Da bin ich mir ganz sicher“, erwidert er lachend. „So eine Nacht vergisst schließlich niemand so schnell.“
„Angeber.“ Ich kann nichts dagegen machen, dass sich meine Mundwinkel heben und ein wenig von meiner miesen Laune verschwindet. Mike ist echt ein verrückter Kerl. 

„Oh, noch eine Flasche für mich?“, erkundigt er sich und greift nach dem Whisky. „Nein, das ist Holgers Lieblingssorte. Er war schon immer ein bisschen weichgespült und steht nicht so auf die harten Sachen.“

Ich betrachte neugierig das Etikett und stelle erstaunt fest, dass es sich wirklich um einen anderen Whisky handelt. Er wollte ja schließlich auch, dass ich sie ihm nach Hause bringe..
„Er ist schon ein bisschen verrückt, der liebe Holger“, sagt Mike und grinst mich breit an. „Ich habe die ganze Zeit darüber nachgedacht, was er mit seiner Aktion bewirken wollte.“
„Das frage ich mich auch“, stimme ich grummelnd zu.
„Im Gegensatz zu dir, kenne ich ihn allerdings ein bisschen besser. Die Antwort ist so simpel und verrückt gleichermaßen. Sie wurde mir erst bewusst, als ich das Bild von euch in der Zeitung gesehen habe.“
„Das Bild?“ Ich werde augenblicklich knallrot, auch wenn ich mir sicher bin, dass Mike nichts davon weiß, was ich ursprünglich für Holger modelliert habe.

Mike beugt sich über den Tresen, stützt den Kopf auf den Händen ab und mustert mich eindringlich.
„Ihr passt gut zusammen“, sagt er nach einer gefühlten Ewigkeit. „Du solltest dir die Chance nicht entgehen lassen. Holger ist ein toller Mann, leider kann ich ihm nicht das geben, was er braucht.“
„Vielleicht kann ich das auch nicht... einmal abgesehen, dass ich auch keine Ahnung davon habe, was es überhaupt sein soll.“
„Mach eine schöne Schleife um die Flasche und bring sie ihm.“
„Das ist bescheuert“, knurre ich und doch stelle ich in Gedanken bereits eine passende Verpackung her. 

Mike strubbelt mir durch die Haare und lenkt damit die Aufmerksamkeit wieder auf sich. „Ich verspüre ein bisschen Eifersucht, aber immerhin hatte ich dich schon vor ihm.“
„Das … klingt pervers.“
„Nein, es gibt ihm Sicherheit.“

Vollends verwirrt starre ich ihm hinterher. Sicherheit? Eine Mischung aus Wut und Trotz macht sich in mir breit. Er will Sicherheit? Ich bin so safe, wie … wie … nein, da fällt mir nichts ein. Ich fange hysterisch zu lachen an und verpacke die Flasche. Aus einem rosafarbenen Modellierballon forme ich erneut einen Schwanz und schreibe safe auf die Spitze. Das ist absolut bescheuert, aber gerade ist doch alles vollkommen verrückt und wirr. Mit dem Geschenk und der Visitenkarte bewaffnet mache ich mich auf den Weg. Die aufsteigende Nervosität unterdrücke ich, indem ich aus dem nächsten Supermarkt noch eine Packung Eis kaufe. 

Holger wohnt in einem kleinen Einfamilienhaus. Auf den ersten Blick erscheint es mir ein bisschen spießig und so gar nicht passend. Allerdings sind die vielen blühenden Osterglocken wirklich hübsch. Meine Beine zittern, als ich die Einfahrt entlang gehe. Noch ehe ich vor der Tür stehe, geht sie auf und Holger steht vor mir. Er sieht ein bisschen mitgenommen mit der abgewetzten grauen Jogginghose und ein Muskelshirt aus, allerdings auch ziemlich sexy. Sein Duft dringt mir in die Nase und verursacht ein höllisches Kribbeln im ganzen Körper. Ohne darüber nachzudenken, stelle ich die Geschenke auf die Stufe, schlinge meine Arme um seinen Hals und küsse ihn. Holger keucht, zieht mich dann fest an sich und erwidert die Berührung. Ich verliere mich und sämtliche Zweifel lösen sich in Wohlgefallen auf. 

„Ich habe hier eine Lieferung abzugeben“, nuschle ich gegen seinen Mund, löse mich ein Stück und deute auf den Boden.
„Safe?“, fragt er leise und mustert mich neugierig.
„Ja“, erwidere ich grinsend. „Alles abgesichert und getestet. Jetzt wäre es vielleicht an der Zeit für ein paar klärende Worte, aber eigentlich bin ich auch mit einem Löffel Eis und ein paar Küssen zufrieden.“
„Du kriegst alles“, murmelt er, schnappt nach der Flasche, dem Eis und meiner Hand, um uns ins Innere des Hauses zu bringen.
***************************
Ich denke so ein kleiner Epilog ist durchaus noch angebracht.
Für alle, die eine Ahnung haben, welche Geschichte sich in diesem Kapitel versteckt (ich glaube, es ist wirklich einfach diesmal) gibt es wieder einen Collegeblock A5 zu gewinnen... Das Cover der gesuchten Geschichte befindet sich übrigens hinten auf dem Block!




Sonntag, 27. März 2016

Osterspaß Teil 3

Ich wünsche Euch einen schönen und sonnigen Ostersonntag! 

Ich muss gestehen, dass ich es ein bisschen verdrängt habe, dass es in diesem Fall zwei passende Geschichten gibt. Meine Gedanken beim Schreiben waren bei Kadir aus "Arabische Nächte", aber Medhi aus "Bauch-(Traum)Tänzer" hätte tatsächlich auch gepasst.
Wie gut, dass meine dritte Bauchtänzergeschichte noch nicht online ist :-)))
Aus diesem Grund sind auch alle Kommentare in den Lostopf gewandert.
Der Osterhase hat folgende Gewinnerin ermittelt:

Nadine 
(Wandel der Zeit)
Herzlichen Glückwunsch!
(bitte schick mir deine Adresse per Mail an kath74@gmx.de)

Und nun geht es mit dem dritten Teil meiner kleinen Geschichte weiter. Diesmal gibt es nur eine mögliche Antwort und ich bin gespannt, ob ihr die Geschichte erkennt.

Ein Nerd im Osternest
 
3.
Pünktlich erscheine ich am Samstag zu meinem Auftritt in der Gärtnerei. Die letzten zwei Tage habe ich irgendwie hinter mich gebracht. Dabei schwebe ich in einem seltsamen Zustand zwischen Wut und Resignation. 

Der Tag nach der heißen und alkoholreichen Nacht mit Mike war wie zu erwarten, sehr von Kopfschmerzen und einem schlechten Gewissen geprägt. Es wurde noch schlimmer, als dieser Kerl, dessen Namen ich immer noch nicht weiß, am späten Nachmittag tatsächlich noch mal in meinem Geschäft aufgetaucht ist. Er hat sich erkundigt, ob alles funktioniert hat und ich bin knallrot geworden. Der Blick, den er mir darauf hin zugeworfen hat, verursacht auch jetzt noch eine unangenehme Gänsehaut. Ohne ein weiteres Wort ist er gegangen. 

Es sollte mir egal sein, aber aus irgendeinem Grund habe ich ein schlechtes Gewissen. Dabei hat er doch genau das beabsichtigt. Der Arsch hat mich schließlich zu einem promisken Kerl geschickt und … und ich hatte nicht die Kraft mich dagegen zu wehren. Ich wollte es letztendlich auch gar nicht und bin niemanden Rechenschaft schuldig. 

Mike hat mir echt gut getan. Er war amüsant, sexy und hemmungslos. Wir hatten eine geile Nacht und der Morgen war, einmal abgesehen von den Kopfschmerzen, nicht peinlich, sondern … angenehm und entspannt. Noch nie habe ich so einen hervorragenden Kaffee getrunken. 
Alles gut … kein Grund, weiter darüber nachzudenken. Und doch verfolgt mich dieser verdammte Blick und immer wieder meldet sich eine winzige Stimme, die behauptet, dass da vielleicht etwas anders für mich drin gewesen wäre. 

Ich richte die bunte Ballonmütze, die ebenso zu meinem Outfit gehört, wie die Latzhose mit den großen Flicken und die Umhängetasche mit dem lustigen Gesicht darauf, in der sich die Modellierballons befinden.
Es ist das erste mal, dass ich hier für einen Auftritt gebucht wurde, obwohl ich weiß, dass die Gärtnerei in jedem Jahr ein Osterfest macht. Sie verstecken bunte Eier auf dem ganzen Gelände, es gibt Grillwürstchen und einen Osterhasen. In diesem Jahr nun auch einen Ballonkünstler. Es ist eine besondere Veranstaltung, denn die Gärtnerei hat zusammen mit einigen anderen Unternehmen in der Umgebung eine Spendenaktion zugunsten krebskranker Kinder ins Leben gerufen. Heute wird der Scheck überreicht. Die Presse wird ebenfalls anwesend sein. Es soll nicht selbstsüchtig klingen, aber natürlich kann ich auch jede Art von Publicity gebrauchen. Ein paar mehr Aufträge wären durchaus nicht schlecht. Aber natürlich finde ich die Aktion großartig. Deshalb trete ich heute auch ohne Gage auf. Das Geld ist in den Spendentopf gewandert.

Noch ist nicht viel los. Die Gärtnerei öffnet erst in einer halben Stunde.
„Hallo, ich bin Noah, der Chef hier. Du bist vermutlich Fred, unser Ballonstar.“ Ein großgewachsener Mann mit unglaublich grünen Augen streckt mir seine Hand entgegen.
„Freut mich“, sage ich schlicht und grinse ihn an.
„Und mich erst. Ich finde es echt faszinierend, was man aus Luftballons zaubern kann.“
„Ich auch“, gebe ich lachend zu, ziehe einen aus meiner Tasche, pumpe ihn auf und verwandle ihn in eine kleine Blume, die ich Noah überreiche.
„Super.“ Er schenkt mir strahlendes Lächeln. 
In diesem Moment kommt ein weiterer Mann auf uns zu. Er begrüßt mich ebenfalls und stellt sich als Henry vor. Dabei legt er einen Arm um Noah. Okay, damit hätten wir die Besitzverhältnisse wohl geklärt. Wobei von mir da wirklich keine Gefahr ausgeht. Die Nacht mit Mike hängt mir noch viel zu sehr nach. Eigentlich bin ich auch gar nicht der Typ für schnellen und unbedeutenden Sex. Leider scheint es jedoch auch keinen passenden Mann für mich zu geben. 

Die beiden zeigen mir das Gelände. Es gibt sogar keine kleine Bühne, auf der nicht nur die Übergabe stattfinden soll, sondern auch ein Programm von und für die Kinder aufgeführt wird. Es wird also ein bunter und lustiger Tag. 

Allmählich breitet sich die Vorfreude in mir aus. Ich mag Kinder, finde es immer wieder faszinierend mit welcher Begeisterung sie sich über meine Ballonfiguren freuen. Das ist es, was mich unheimlich motiviert. Würde es zum Leben auch nur annährend reichen, hätte ich den Laden schon längst nicht mehr. Aber leider hält mich beides gerade so über Wasser. Es ist schon ein bisschen ironisch, dass es Leute wie Mike gibt, deren einzige Sorge es anscheinend ist, den nächsten Kerl ins Bett zu bekommen und eben … Ich schüttle die Gedanken weg. Sie haben hier und heute wirklich nichts zu suchen. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Umgebung. 

Genau in diesem Moment öffnen sich die Tore. Eine Schar Kinder stürmt die Gärtnerei. Sie werden vom Osterhasen empfangen. Lautes Lachen und Musik erfüllt die Luft. Ich suche mir einen strategisch günstigen Platz und beginne damit, einen Marienkäfer zu formen.

Es dauert nicht lange, bis ich die Aufmerksamkeit einiger Kinder eingefangen habe. Jetzt verschwinden wirklich alle störenden Gedanken. Ich konzentriere mich vollkommen auf die Kleinen und auf die Ballons. Ein unheimlich gutes Gefühl flutet meinen Körper und lässt mich leicht und ausgelassen werden. Ich albere mit den Kindern herum, erzähle ihnen lustige Geschichten, während ich dazu immer mehr Tiere, Blumen, Herzen und Schwerter herstelle. Die Stimmung ist wunderbar fröhlich. Sogar die Sonne hat ein Einsehen und schenkt uns einen strahlendblauen Himmel. 

Allerdings verdunkelt er sich ganz plötzlich, als ich einen Mann in der Menge entdecke, mit dem ich hier nun wirklich nicht gerechnet hätte. Die Figur, die sich der kleine Junge vor mir gewünscht hat, platzt in dem Moment, als sich unsere Blicke treffen. Er scheint nicht weniger erstaunt als ich zu sein, hat sich allerdings deutlich schneller unter Kontrolle. Ich begreife echt nicht, wie andere das schaffen. Ich starre ihn stattdessen an, mein Gesicht glüht und mein Herz rast davon. Das Kind vor mir beginnt zu jammern, sodass ich mich aus der Lethargie befreie und mit zittrigen Fingern einen neuen Luftballon forme. 

Ich drehe mich bewusst in die andere Richtung und versuche die Anwesenheit zu ignorieren. Eigentlich habe ich erwartet, dass er es ebenso handhaben würde, aber es dauert nur den Bruchteil eines Augenblicks, bis er direkt vor mir steht.
„Was für ein Zufall“, sagt er grinsend.
„Ähm, ja...“, nuschle ich verschämt.
„Lustige Spiele mit Gummis gehört also zu Ihren Spezialitäten?“ Seine arrogante Stimme lässt mich ärgerlich aufblicken. Auch wenn ich es nicht verhindern kann, dass meine Wangen brennen, finde ich, dass das hier nicht der richtige Ort für diese Art von Zweideutigkeiten ist. 

„Ich bin ein Ballonkünstler“, erwidere ich. Obwohl ich mich bemühe, seinen Tonfall zu treffen, gelingt es mir natürlich nicht. Ich gehe an ihm vorbei, verfolgt von einer Schar Kinder, die mir ihre Wünsche alle gleichzeitig entgegenrufen. Tief durchatmend versuche ich mich zur Ruhe zu zwingen. Ich konzentriere mich wieder auf das Modellieren. Für eine Weile scheint es sogar zu funktionieren, obwohl ich mit den Augen die Umgebung immer wieder scanne und auf diese Weise versuche, den Abstand zwischen uns so groß wie möglich zu halten. Allerdings bin ich auch neugierig und frage mich, was er auf einen Kinderfest verloren hat. Bisher habe ich den Eindruck, dass er allein hier ist. Er scheint jedoch Noah und Henry ziemlich gut zu kennen, denn die meiste Zeit verbringt er bei den beiden. 

Während der Aufführung einer Kindergartengruppe auf der Bühne habe ich Zeit, ein bisschen durchzuatmen und mir etwas zu Trinken zu besorgen. Mein Hals ist schon ganz rau vom vielen Erzählen. Essen wäre auch keine schlechte Idee. Die Schlange ist zum Glück nicht besonders lang. Ich kontrolliere beim Warten meine Tasche. Der Inhalt hat bereits deutlich abgenommen, aber ich denke, ich werde die nächsten Stunden noch gut damit zurecht kommen. 

Mit einem Bratwürstchen und einem Becher Cola bewaffnet suche ich mir ein ruhiges Plätzchen. Die Eingangsstufen des Wohnhauses erscheinen mir hervorragend geeignet. Sie liegen wunderbar in der Sonne und sind gleichzeitig ein wenig von den Blicken der Leute geschützt. Ich mache es mir bequem, ziehe die Mütze vom Kopf, strecke die Beine aus und lasse es mir schmecken. 

„Kannst du für mich auch was Schönes aus so einem überdimensionalen Kondom basteln?“ Ein Schatten legt sich über mich und die dunkle Stimme verursacht augenblicklich eine Gänsehaut.
„Was soll das?“, fahre ich ihn an. „Hattest du noch nicht genug Spaß? Such dir doch bitte einen anderen Idioten. Es laufen doch bestimmt genug herum.“
„Sicher, aber im Moment finde ich keinen anderen, der auf so faszinierende Art mit Luftballons umgehen kann.“ 

Grimmig sehe ich ihn. Ich erwarte den Spott auch in seinen Augen, aber der Blick, mit dem er mich betrachtet, bringt mein Blut seltsam in Wallung. Wieso sieht dieser Scheißkerl nur so verdammt gut aus? Noch immer habe ich keine Ahnung, wie er heißt und eigentlich sollte es mich auch nicht interessieren. 

Ich antworte darauf nicht, denn mir fehlen die Worte und ich bin total verwirrt. Was hat dieser Mann nur ansich, dass ich mich so irrational benehme?
„Also? Bekomme ich jetzt auch einen Luftballon?“
Ich schließe die Augen. Der Appetit ist mir vergangen, sodass ich lediglich einen großen Schluck Cola trinke und mich dann erhebe. Ich entsorge die Überreste meines Würstchens im Mülleimer und stürze mich ohne einen weiteren Kommentar zurück ins Getümmel. Zumindest ist das mein Plan, wenn mich der Typ nicht am Arm packen würde. 

„Ich meine es ernst. Kannst du dich dazu herablassen, eine Figur für mich zu formen?“
„Natürlich“, murmle ich schließlich.
„Sehr gut... Ich muss nämlich...“
„Holger, da bist du ja. Wir haben dich schon überall gesucht.“ Noah kommt auf uns zugestürmt, ehe er seinen Satz beenden konnte. Immerhin habe ich jetzt einen Namen, der mir seltsam bekannt vorkommt.
„Es geht gleich los. Ich bin so verdammt aufgeregt.“ Er hüpft tatsächlich von einem Bein auf das andere. „Ich kann noch immer nicht glauben, dass du das machst. Echt, das ist so geil.“
„Ich bin eben ein echt großartiger Kerl“, erwidert er lachend. 

Ein Würggeräusch entkommt meiner Kehle. Immerhin scheint es Noah nicht gehört zu haben. Dieser Holger allerdings schon, denn mich trifft erneut so ein Blick mit hochgezogenen Augenbrauen. Ich zucke einigermaßen lässig mit den Schultern und frage mich, ob Noah weiß, was für ein Arschloch dieser Kerl in Wahrheit ist.

„Ich freue mich so über dein Engagement, also lauf nicht wieder weg.“ Noah eilt davon, während wir beide stumm nebeneinander stehen bleiben. Zum Glück umringen mich erneut einige Kinder, sodass ich mich nicht weiter mit ihm unterhalten muss.
„Vergiss meine Luftballonfigur nicht“, ruft er und geht in Richtung Bühne. „Ist echt wichtig.“
„Wichtig“, knurre ich leise. Ich fertige einige Schwerter und Hündchen an, dann wird die Aufmerksamkeit wieder auf die Bühne gelenkt. 

Ich öffne meine Tasche und die rosafarbenen Ballons, aus denen ich für gewöhnlich Schweinchen machen, fallen mir ins Auge. Wenn dieser Kerl eine Figur will, dann soll er auch eine bekommen. Irgendetwas setzt in diesem Moment in mir aus. Ich vergesse die Umgebung, die Kinder, den Osterhasen... Alles, woran ich denken kann, ist ein kleines bisschen Rache für … für seine unheimliche Wirkung auf mich.

Immerhin funktioniert mein Verstand doch noch soweit, dass ich mir erneut eine ruhige Ecke suche, um den Ballon zu formen. Ein stattlicher Penis mit prächtigen Eiern, auf denen ich mit Edding noch ein paar Haare andeutet. Es gelingt mir sogar, die Eichel zu formen... Und dann fällt mir auch wieder ein, wieso mir sein Name so bekannt vorkam. Natürlich, Frau Schulze hat mir von ihrem Enkel Holger, dem Computernerd erzählt. Schon erstaunlich, dass dieser Name doch noch so oft vorkommt.
Von mir selbst beeindruckt betrachte ich den Riesenschwanz und eine gewisse fiese Freude überfällt mich. Die verändert sich allerdings schlagartig, als ich meinen Namen durch die Lautsprecher schallen höre. 

„Fred, der Luftballonkünstler...“ Ich halte die Luft an und starre in Richtung Bühne. Dort stehen Noah und Holger, umringt von einigen weiteren Personen, die ich nicht kenne.
„Vielleicht könnt ihr ihn mit einem kleinen Applaus nach vorn locken“, ruft Holger enthusiastisch und tatsächlich beginnen die Kinder und Erwachsenen zu klatschen. Ich begreife gar nicht, was vor sich geht. Immerhin verstecke ich den Schwanzballon hinter meinem Rücken und gehe langsam los.
„Es ist echt ein großartiges Geschenk“, sagt Noah. Alle meine Sinne sind auf die Bühne gerichtet, wo Holger nun wieder zum Mikrofon greift und sich kurz räuspert. 

„Ich freue mich auch, dass ich bei eurer großartigen Aktion noch mitmachen kann. Es ist so wichtig, dass den Kindern, die unter den Folgen dieser furchtbaren Krankheit leiden, ein bisschen der Alltag verschönert wird. Dass ich einen Teil dazu beitragen kann, macht mich glücklich und bedeutet mir unheimlich viel.“

Ich bleibe stehen und starre Holger an. Er sieht so absolut perfekt aus, dass ich einen kleinen Stich im Herzen spüre. Vielleicht wären wir uns unter anderen Umständen sogar näher gekommen oder möglicherweise hätten wir … hätten wir … Ich verbiete mir, den Gedanken zu Ende zu bringen. Da vorn seht ein ausgesprochenes Arschloch. Deshalb winke ich auch kurz mit dem Ballonschwanz, als er in meine Richtung guckt. Für einen Moment bringt ihn das sichtlich aus der Fassung, was mir ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert. 

„Ähm“, sagt er viel weniger eloquent und räuspert sich. „Also, da wir hier heute so einen wunderbaren Ballonkünstler unter uns haben, dachte ich mir ...“ Das ist der Moment, in dem mir sämtliche Farbe aus dem Gesicht weicht. Ich bin mir sicher, dass die Welt aufgehört hat, sich zu drehen und sich jeden Moment ein Krater auftut, in den ich auf Nimmerwiedersehen stütze.
„Ich sehe hier so viele schöne Figuren und bin ganz gespannt, was Fred für mich … beziehungsweise für den Scheck gezaubert hat. So ein Papier sieht ja immer furchtbar langweilig aus, aber ich wette der Fred macht da ein echtes Geschenkehighlight draus.“

Genau, mit einem Riesenpimmel.... Hilfe! Ich presse das Gummi hinter meinem Rücken fest zusammen, um es auf dem Weg zur Bühne zum platzen zu bringen. Natürlich habe ich keine langen Fingernägel und der sonst so empfindliche Ballon macht in diesem Moment keinen Anstalten, kaputt zu gehen. Ich schwitze und mein Herz rast so schnell, dass mir schwindelig wird. Kurz bevor ich die ersten Reihen mit Zuschauern erreicht habe, gibt es einen Knall und ein Raunen geht durch die Massen. 

„Oh mein Gott“, ruft Holger und fasst sich theatralisch ans Herz.
„Halb so schlimm“, rufe ich laut und lächle ihn erleichtert an. „Das kriegen wir ganz schnell hin.“ Nun, da das Übel nur noch ein zerfetztes Stück Gummi, von dessen Form nichts übrig geblieben ist, erwache ich schlagartig aus meiner Starre. Ich erklimme beschwingt die Bühne und stelle mich lachend neben Holger. 

„Verdammtes Arschloch“, raune ich ihm zu und würde ihn am liebsten von dem Podest stoßen. Stattdessen öffne ich meine Tasche und hole einen grünen Ballon heraus.
„Ihr wisst ja leider selbst, wie schnell so eine Figur manchmal kaputt geht. So ein Luftballon ist schon erstaunlich. Man kann die schönsten Motive daraus formen und dann reicht ein kleiner unbedachter Moment und alles ist zerstört.“ Während ich rede, forme ich zwei Blasen, verbinde sie miteinander, stelle einen Loop her und trenne noch weitere Blasen ab. Allmählich verwandelt sich der Ballon. Einige Kinder rufen mir bereits entgegen, dass es ein Frosch wird. Am Ende male ich mit dem Edding große Augen auf und überreiche Holger den Frosch. Die Kinder klatschen. Er lächelt mich an und bringt damit mein Herz zum Stolpern. 

Der Rest geht an mir vollkommen vorbei. Erst als Holger mich am Arm von der Bühne führt, erwache ich aus meiner Trance. Er schiebt mich durch die Leute hindurch. Hier und dort werden wir aufgehalten. Ich werde nach Aufführungen zu Kindergeburtstagen gefragt und antworte ebenso mechanisch, wie ich Visitenkarten aus meiner Tasche hole und sie verteile. 

„Na, das läuft doch richtig gut für dich“, raunt er mir ironisch zu. Ich nicke, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das die richtige Reaktion ist. All meine Sinne sind auf die Finger auf meiner Haut fokussiert. Sie verursachen ein unglaubliches Prickeln.
Holger öffnet eine Tür und schiebt mich hindurch. 

„Das war knapp“, sagt er schließlich und seufzt erleichtert.
„Du bist so ein verdammter … so verdammt beschissener Kerl. Legst du es eigentlich absichtlich darauf an, mich in solche Situationen zu bringen? Was habe ich dir getan?“ Ich schreie ihn kopflos an. Noch ehe ich jedoch einen weiteren wütenden Wortschwall auf ihn ablassen kann, zieht er mich in seine Arme. Sein Mund landet hart und ungestüm auf meinem und ich verliere mich in einem atemberaubenden Kuss. 
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Ich bin echt gespannt, ob ihr wisst, in welcher Geschichte Fred sich befindet. 
Auch heute habe ich einen Collegeblock A5 liniert für euch. 
Viel Spaß und viel Glück!
 


Samstag, 26. März 2016

Osterspaß Teil 2

Ich hoffe, euch hat das erste Kapitel meiner kleinen Geschichte gefallen.
Hier kommt schon der zweite Teil, natürlich auch mit einem neuen, ebenso einfachen Hinweis.

Vielen Dank für die vielen Kommentare. Natürlich habt ihr alle Recht gehabt. Gesucht war der "WhiskyTeufel"
Gewonnen hat: 
 Piccolo
Herzlichen Glückwunsch!
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 Und schon geht es weiter:

Ein Nerd im Osternest
2.
Aufgeregt schaue ich nun schon zum dritten Mal auf den Zettel mit der Adresse. Ich kann sie längst auswendig, aber es beruhigt mich den Namen immer wieder und wieder zu lesen und mir die Straße ins Gedächtnis zu rufen. Mike Neumann... Ich versuche mir ein Bild vorzustellen, aber irgendwie habe ich so gar keine Idee, wie ein Mann aussehen soll, der so ein Geschenk verdient hat. 

Einen Moment habe ich darüber nachgedacht, den Wunsch des Kunden nicht zu erfüllen. Vermutlich würde er es gar nicht mitbekommen, wenn ich die Flasche Whisky anständig und passend eingepackt hätte. Ich glaube kaum, dass dieser Mann, zu dessen Wohnung ich unterwegs bin, ihm ein Bild oder ähnliches von dem Geschenk schicken würde. Immerhin handelt es sich um einen Exfreund... Letztendlich war es mein schlechtes Gewissen, das mich dazu gebracht hat, dieses Ungeheuer zu kreieren. Ich habe tatsächlich sämtliche Abstufungen von Pink und Lila verwendet. Große und kleine Schleifen, Tüll und Organza, Glitterspray und Luftballons in verschiedenen Grüntönen. Vermutlich wird der Whisky in der Flasche schlecht... 

Es hat in meinen Fingern gekribbelt, so gern hätte ich den Inhalt der Karte gelesen. Allerdings gebietet es die Diskretion, das nicht zu tun. Trotzdem schlägt mir das Herz bis zum Hals, als ich eine Parklücke finde und mein Auto zum Stehen kommt. Ich atme tief durch und betrachte durch die Frontscheibe das Haus, in dem der Empfänger wohnt. Es ist eine ziemlich edle Gegend, mit großen und verdammt modernen Häusern. Riesige Fensterfronten bieten bestimmt einen fantastischen Blick über die Stadt. Ich war noch nicht sehr oftin diesem Teil der Stadt, die Wohnanlage kenne ich nur aus der Zeitung. Sie war eine der teuersten Investitionen in den letzten Jahren. Der Architekt hat sogar irgendeinen Preis dafür gewonnen. 

Noch einmal sehe ich zur Seite. Auch wenn ich mich um eine gewisse Harmonie bei der Anordnung bemüht habe, zucken meine Lider und ein leises entsetztes Stöhnen entkommt meiner Kehle. Weshalb habe ich mich nur darauf eingelassen?

Darauf habe ich leider keine zufriedenstellende Antwort, einmal abgesehen davon, dass mich diese grauen Augen den ganzen Tag verfolgt haben. Ich hatte sogar das Gefühl, er würde mit beim Anfertigen der Verpackung über die Schulter sehen. Ständig liefen mir Schauer über den Rücken und meine Fantasie hat vollkommen verrückt gespielt. Vermutlich sollte ich mir mal wieder einen Fick gönnen. Offensichtlich ist das Defizit so groß, dass mein Körper mit aller Macht Signale sendet.
Entschlossen öffne ich die Autotür, hole vom Beifahrersitz das Ungetüm und mache mich auf den Weg. In Gedanken wiederhole ich die Hausnummer und den Namen noch einige Male, bis ich mit zittrigem Finger auf die entsprechende Klingel drücke. Es dauert eine ganze Weile, ehe sich eine männliche Stimme meldet. 

„Guten Tag, meine Name ist Fred Schmelzer. Ich komme von Kreativ- Ihre Geschenk wirkungsvoll verpackt und habe ein Geschenk für Sie.“
Eine gefühlte Ewigkeit passiert gar nichts. Obwohl ich mich gegen die Tür stemme, bleibt sie verschlossen.
Hören Sie“, rufe ich lauter. „Ich habe hier ein Geschenk.“
Ich wusste gar nicht, dass Sie auch einen Lieferservice haben.“
Was?“, erkundige ich mich verwirrt. „Bitte, ich würde Ihnen jetzt wirklich gern das Präsent übergeben.“
Von wem ist es denn?“
Ähm...“ Genau in diesem Moment wird mir bewusst, dass ich den Mann gar nicht nach einem Namen gefragt habe. Ich war so abgelenkt von seiner Wirkung auf mich, von diesem ungeheuerlichen Wunsch und von der peinlichen Sache mit dem Luftballon, dass ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann.
Schon gut, ich ahne es irgendwie“, sagt er plötzlich und kurz darauf ertönt das Geräusch, das die Tür öffnet. 
 
Erleichtert atme ich durch und gehe nach oben in den zweiten Stock. Die Vorstellung, dass ich diesem Mike Neumann gleich dieses Monster überreichen muss, ist mir ziemlich unangenehm. Vor allem, weil es auch im Inneren des Hauses total edel aussieht. Ich komme mir so fehl am Platz vor, dass ich mir wünsche, mich augenblicklich in Luft aufzulösen. 
 
Als ich die entsprechende Etage erreicht habe, sehe ich einen Mann, der lässig gegen den Türrahmen lehnt. Allerdings kann er seine Verwunderung nicht verbergen, als er mich beziehungsweise das, was ich in der Hand halte, erblickt. Für eine Sekunde weiten sich seine Augen vor Schreck, dann hat er sich jedoch wieder unter Kontrolle. Ich mustere ihn unauffällig als ich näher gehe. Er ist ebenso attraktiv wie sein Expartner. Sie haben zusammen bestimmt ein atemberaubendes Bild abgegeben. Das ist der Moment, in dem ich mir noch mehr wünsche, einfach zu verschwinden. 
 
Das ist ja bezaubernd“, sagt er ironisch, als ich vor ihm stehe und krampfhaft nach Worten suche.
Ja, also... ähm... das ist für Sie.“ Ich strecke den Arm aus und er nimmt es mir prompt ab.
Meine Güte, der Whisky erstickt ja unter all den Schleifen.“
Vermutlich“, nuschle ich und spüre, wie die Hitze mein Gesicht in einen Feuerball verwandelt.
Dabei habe ich gehört, dass die Verpackungen in diesem Geschäft so hervorragend und geschmackvoll sein sollen. Das kann ich gerade nicht bestätigen.“ Er grinst mich breit an, während mein Herz in die Hose rutscht. Genau so eine Reaktion habe ich erwartet und wenn er diesen Mist herumerzählt...

Für gewöhnlich sind sie nicht so aufwendig“, erwidere ich resigniert und versuche es mit einem eher schiefen Grinsen.
Aufwendig“ wiederholt er lachend. „Ja, so könnte man es auch bezeichnen.“ Er fischt die Karte hervor, drückt mir die Flasche erneut in die Hand und öffnet den Umschlag. Eigentlich hatte ich gehofft, sofort gehen zu können, aber der Typ scheint mein Unwohlsein sichtlich zu genießen.
Verdammter Mistkerl“, knurrt er und verschränkt die Arme vor der Brust. Unsicher sehe ich ihn an und bemerke ein seltsames Flackern in den dunklen Augen.
Eigentlich sollte ich das Geschenk gar nicht entgegennehmen, aber das ist mein Lieblingswhisky und nach dieser Karte brauche ich dringend einen Schluck davon.“

Erleichtert strecke ich den Arm erneut aus. Die Aussicht, endlich von hier abhauen zu können, beflügelt mich. Leider scheint er es wirklich nicht eilig zu haben. 
 
Also ...“, sagt er und zieht jeden Buchstaben dabei seltsam in die Länge. „Als Überbringer einer solchen Nachricht schulden Sie mir mindestens ein Glas Whisky, Fred Schmelzer.“
Ich … glaube nicht, dass ich Ihnen irgendetwas schulde.“ Allmählich erlange ich meine Fassung wieder und versuche mich nicht nicht von seinem Blick einschüchtern zu lassen. 
 
Können Sie denn verantworten, dass ich mich jetzt vor Kummer allein um den Inhalt der Flasche kümmere? Haben Sie keine Sorge, dass ich mir eventuell etwas antun könnte? Wie sieht das denn aus, wenn man mich inmitten all dieser wunderbaren Schleifen und Tüllgebilde tot auffindet? Das fällt ja quasi auch auf Sie zurück.“
Ich brauche einen Moment, bis ich seine Worte begreife, einen weiteren, weil ich zwischen Wut und Belustigung schwanke. Dieser Mann sieht nicht aus, als würde er sich etwas antun... allerdings kann ich das auch nicht mit Gewissheit behaupten. Das Ganze würde wirklich keinen guten Eindruck machen. Hin und her gerissen bemerke ich zu spät, dass er ziemlich selbstgefällig grinst. Eigentlich sollte ich mich umdrehen und gehen. Ich bin schließlich nicht für ihn verantwortlich. Allerdings habe ich heute auch einen Lieferservice übernommen und dieses hässliche Ding hergestellt. Da kommt es auf einen Whisky wohl auch nicht mehr an. 
 
Also gut“, nuschle ich, während mir ganz flau im Magen wird.
Perfekt“, sagt er lachend und macht eine einladende Armbewegung. Ich folge ihm ins Innere der Wohnung, die bereits auf den ersten Blick absolut stilvoll wirkt. „Da bin ich ja dankbar, dass er mir so einen heißen Kerl geschickt hat, um den Schock zu verdauen.“
Könnten wir vielleicht auf solche Anzüglichkeiten verzichten und es irgendwie hinter uns bringen?“
Diesen guten Whisky kann man nicht irgendwie hinter sich bringen, den muss man genießen.“
Okay, aber man kann ja auch schnell und höflich distanziert genießen“, behaupte ich, was ihn erneut zum Lachen bringt.
Wir können es ja mal versuchen. Also dann, werter Herr Schmelzer, ich hoffe, es stört sie nicht, dass ich ihre wunderbar ausgefallene Verpackung nun zerstören muss, um an den edlen Tropfen zu kommen.“
Ganz und gar nicht, Herr Neumann.“ Wir grinsen uns an und irgendwie scheint er mir ziemlich nett und amüsant zu sein. 

Er geht voran und ich folge ihm. Wir landen in einer Küche, die ich maximal aus Hochglanzmagazinen kenne. Alles ist so perfekt, dass man glauben könnte, wir befinden uns in einem Ausstellungsraum. Ich bin mir nicht sicher, ob er hier schon jemals gekocht hat. 
 
Zumindest weiß er wo die Scheren sind. Es tut tatsächlich ein bisschen weh, ihn dabei zu beobachten, wie er recht lieblos den Whisky befreit. Mit zwei Gläsern, in denen sich eindeutig zu viel von der goldenen Flüssigkeit befindet, kommt er auf mich zu. 
 
Ich nehme ihm eines ab und spüre, wie die Unsicherheit wieder durch meinen Körper schießt.
Ich bin Mike“, sagt er und stößt mit mir an.
Fred“ murmle ich und setze das Glas an meine Lippen. Ein herber Geruch nach Rauch und Holz dringt mir in die Nase. Ich verziehe das Gesicht noch ehe ich den ersten Schluck hinuntergebracht habe. Es brennt in meinem Hals. Der Geschmack ist viel zu kräftig. Obendrein ist es, als würde ich durch einen brennenden Wald laufen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Whisky so dermaßen heftig schmecken kann. Nur mit Mühe unterdrücke ich ein Husten.
Wahnsinnig gut...“, schwärmt Mike genießerisch.
Ja“, krächze ich. In meinem Bauch findet ein Inferno statt.
Der zweite Schluck ist besser“, behauptet er grinsend, hebt sein Glas und trinkt erneut. Natürlich verzieht er keine Miene dabei. „Komm mit ins Wohnzimmer. Hier ist es so ungemütlich.“

Wortlos folge ich ihm. Allerdings ist der Raum keineswegs das, was ich unter gemütlich verstehe. Er wirkt stylisch und unterkühlt. Ein riesiges weißes Designersofa dominiert das Zimmer. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich mit meinen dunklen Jeans überhaupt darauf setzen kann, ohne Flecke zu hinterlassen. Links an der Wand hängt eine Bilderserie von einem Tänzer. Sie verleiht den Raum tatsächlich eine Art persönliche Note. Ich gehe neugierig näher. Der Mann auf den Fotos trägt ein orientalisches Kostüm und sieht atemberaubend aus. Er ist so wunderbar in der Bewegung festgehalten, dass ich regelrecht das Gefühl habe, ihn tanzen zu sehen. 
 
Wahnsinn“, nuschle ich und nehme instinktiv einen weiteren Schluck.Es wird wirklich immer besser.
Ich habe eine seiner Shows in Berlin gesehen. Absolut atemberaubend wie er seinen Körper bewegt. Leider ist er schon vergeben...“ Mike seufzt theatralisch, während ich ihn von der Seite beobachte. Sein Gesicht ist scharfkantig, aber trotzdem strahlt es eine gewisse Weichheit aus. Eine grade Nase, sanft geschwungene Lippen, ein leichter Bartschatten … Ich glaube, der Alkohol steigt mir bereits zu Kopf, denn ich frage mich, wie seine Haut sich wohl anfühlt. 
 
Tanzt du gern?“, erkundige ich und widme mich wieder den Bildern. Anstatt einer Antwort lacht er leise. Seine tiefe Stimme macht mich an und sorgt zusammen mit dem Whisky dafür, dass es noch ein bisschen heißer in meinem Bauch wird.

Hin und wieder gehe ich mal in einen Club, aber eigentlich weniger um zu tanzen.“ Er wackelt mit den Augenbrauen, geht dann zum Sofa und lässt sich darauf fallen. 
„Komm zu mir“, sagt Mike. Als gäbe es irgendwelche unsichtbaren magischen Fäden, bewege ich mich. Unbehaglich setze ich mich auf das weiche Leder und hoffe inständig, dass ich es nicht verderbe. Mike scheint da weniger Bedenken zu haben, denn er rekelt sich neben mir und lässt unsere Gläser erneut klingen. 

Automatisch nehme ich einen weiteren Schluck und stelle fest, dass der Geschmack nun wirklich deutlich angenehmer ist. Es brennt noch immer, aber die Hitze, die dabei entsteht, ist irgendwie erregend und das leichte Schwindelgefühl lässt die Anspannung aus meinem Körper weichen. Er erzählt mir irgendetwas über den Whisky, aber ich bekomme höchstens die Hälfte davon mit. Meine Sinne sind schon jetzt benebelt. Vermutlich weil ich seit dem Mittag nichts gegessen habe. Als mein Magen auch noch zur knurren beginnt, springt Mike auf und kommt wenige Augenblicke später mit einer Tüte Chips und der Flasche Whisky zurück.

Mein Kühlschrank gibt nichts her“, sagt er grinsend und stopft sich einen Handvoll von den Kartoffeldingern in den Mund. Ich mache es ihm nach, allerdings höchst genau darauf bedacht, keine Krümel auf dem Sofa zu verteilen.

Es macht mir auch nichts aus, dass Mike mir einen weiteren Whisky einschenkt. Er erzählt von irgendwelchen Partys, davon, dass er erst seit ein paar Monate in der Stadt lebt und es hier ausgesprochen langweilig findet. Ich hänge derweil meinen Gedanken nach und frage mich, wie man sich in einer solchen Wohnung überhaupt langweilen kann. Wenn mein Geschäft so viel abwerfen würde, dass ich hier leben könnte, würde ich vermutlich mehr als nur zufrieden und glücklich sein. Viel zu spät bemerke ich, dass er so verdammt nah ist. Sein Aftershave dringt in meine Nase und lässt mich leise stöhnen. 
 
Du bist echt süß“, raunt er mir zu. „Ich verstehe gar nicht, dass er dich einfach so zu mir geschickt hat.... Direkt in die Höhle des Löwen.“
Haben seine Lippen gerade meine Wange berührt? Hastig trinke ich das Glas leer. Das hätte ich lieber nicht gemacht, denn er füllt es sofort wieder auf und ich spüre schon längst die Wirkung des Alkohols. 
 
Bist du denn so gefährlich?“ Am liebsten möchte ich vor Scham im Boden versinken. Diese blöde Frage habe ich jetzt nicht wirklich gestellt...
Das bin ich … Vor allem, wenn mir die Beute direkt ins Haus geliefert wird.“ Ehe ich mich versehe, leckt er über meinen Hals. Ich bekomme eine Gänsehaut und stehe gleichzeitig in Flammen. Die wenigen noch aktiven Gehirnzellen schreien mich an, dass ich sofort verschwinden soll, der Rest meines Körpers drängt sich der geschickten Zunge von Mike entgegen. Ich nehme einen weiteren Schluck Whisky und biete Mike meinen Mund an. Wir teilen den Alkohol. Ich komme mir furchtbar verrucht vor und gleichzeitig ist es total geil. Die Gier nach Sex wird übermächtig, während mein Verstand sich in einem Strudel von Lust und Trieb verabschiedet. Ich höre mich selbst stöhnen, spüre fremde Hände, die sich an meiner Hose zu schaffen machen. 
 
Aktiv oder passiv?“, raunt mir Mike lasziv ins Ohr.
Egal“, erwidere ich mit schwerer Zunge.
Sehr gut, dann werde ich dich ordentlich reiten. Ich brauche heute einen Schwanz in meinem Arsch.“
Ich steh zur Verfügung.“
Seine Hand landet in meinen Pants und umschließt die pochende Härte. „Das spüre ich deutlich.“

Es ist ein wilder Ritt … auf einem Sofa, das vermutlich mehr kostet, als ich im Jahr verdiene. Obendrein drängen sich die Bilder des Tänzers immer wieder in mein Blickfeld. Es ist ein bisschen, als würde er sich jetzt wirklich bewegen. Eigentlich dreht sich der ganze Raum, während sämtliche Nervenenden in wilden Explosionen meinen Körper zum Zucken bringen. Zu allem Überfluss erscheinen auch immer wieder diese stahlgrauen Augen vor mir und eine seltsame Mischung aus schlechtem Gewissen und absoluter Erregung treiben mich noch zusätzlich voran. Wir kommen beinahe gleichzeitig, dann bricht Mike auf mir zusammen. 
 
Was für ein berechnendes Arschloch“, nuschelt er gegen meinen Hals. Seine Worte sorgen dafür, dass ich mich schlagartig nüchtern fühle. Das war ein verdammter Fehler, auch wenn es sich unglaublich geil angefühlt hat. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll und bleibe starr unter ihm liegen.
 
Ich bin erleichtert, als sich Mike erhebt, mir das Gummi abzieht und eine Packung Taschentücher zuwirft. Er schwankt leicht, als er in Richtung Tür geht. Kurz bevor er den Raum verlässt, dreht er sich zu mir um.  
Wenn du willst, kannst du mit ins Bett kommen. Ich habe nicht vor, dich rauszuschmeißen, aber ich muss jetzt echt schlafen.“ 
 
Ich nicke zögernd und erhebe mich ebenfalls. Es gibt keine vernünftige Lösung, denn ich bin zu betrunken, um mit dem Auto zu fahren, aber ich sollte mich wirklich nicht zu ihm ins Bett legen. Unschlüssig bleibe ich stehen. Mike ist längst verschwunden. Ich gehe zu den großen Fenstern und sehe auf die Lichter der Stadt. Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist. Eigentlich kommt es mir vor, als wäre es höchstens eine Stunde her, als ich hier angekommen bin, aber es ist schon viel zu dunkel. Es war ein erstaunlicher Abend, viel besser als ich es erwartet hätte, auch wenn sich erneut das schlechte Gewissen meldet.
 
Der Anblick, der sich mir bietet, ist großartig, kann jedoch das ungute Gefühl in mir nicht beseitigen. Ich drehe mich um, schlüpfe in meine Pants und gehe in die Küche. Ich brauche dringend einen Schluck Wasser. Meine Kehle fühlt sich ganz trocken an. Auf der Tisch liegt die verdammte Karte. Ich zögere einen Augenblick, streiche mit den Fingern über das geschmacklose Motiv und kann mich doch nicht dazu durchringen, sie zu öffnen. 
 
Seufzend starre ich darauf, bemerke zu spät, dass Mike plötzlich hinter mir steht. Er schlingt seine Arme um meine Bauch und legt den Kopf auf meine Schulter. Erschrocken halte ich die Luft an. Es fühlt sich jedoch keineswegs schlecht an, sodass ich versuche, mich wieder zu entspannen.
Er hasst mich … zurecht. Ich kann das Fremdficken nicht lassen. Es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Für ihn, weil er einen besseren Menschen aus mir macht. Aber am Ende kann ich der Verführung nicht widerstehen. Was glaubst du, weshalb er dich geschickt hat?“
Damit ich dir diese Flasche bringe“, antworte ich und spüre, dass das nicht der einzige Grund ist. Mir wird übel, als Mike leise in mein Ohr lacht und die Karte öffnet. 
 
Ich will den Text nicht lesen und doch starre ich auf das Papier. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Dieser Kerl hat das hier genau geplant. Er hat mich in die verdammten Arme seines Exfreundes getrieben und wünscht ihm auch noch viel Spaß. Wütend will ich mich von Mike losreißen, aber er hält mich fest und führt mich in sein Schlafzimmer. Ehe ich mich versehe, lande ich auf dem riesigen Bett. Mein Protest verebbt unter einem gierigen Kuss.
Was hältst du von einer zweiten Runde?“ 
 
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und auch heute liegt wieder ein Collegeblock A5 liniert im Nest. Es verstecken sich übrigens noch zwei weitere Motive im Block und ein ganz besonderes Cover auf der Rückseite :-))))
Viel Glück und viel Spaß beim Raten!