Caro Sodar, Mia Grieg, Sitala Helki und Karo Steinn auf der Buch Berlin

Montag, 29. Juni 2015

Das war der Juni

Okay, ein paar Tage hat der Juni noch, aber für mich ist es mehr oder weniger geschafft. Dieser Monat stellt immer wieder eine Herausforderung dar und ich kann die Erleichterung wirklich spüren, wenn die letzten Tage anbrechen.
Das ist schon irgendwie seltsam.
Dabei habe ich mir zum ersten Mal ganz viel vorgenommen und sogar beinahe alles geschafft. Für gewöhnlich möchte ich am liebsten gar nichts oder so wenig wie möglich machen. Diesmal habe ich jedoch wie verrückt geschrieben, ein Buch veröffentlicht, eine Lesung gehalten und ein super schönes Wochenende in Berlin verbracht. Im Grunde hätte es nicht besser laufen können. Und doch war da unterschwellig immer dieses seltsame Gefühl in mir. Hin und wieder musste ich mich sogar dazu ermahnen, die tollen Erlebnisse als solche auch anzunehmen.

"Flammenerbe" hat einen wunderbaren Start hingelegt. Vier Rezensionen hat es bereits eingefahren. Obendrein habe ich ganz viel persönlichen Zuspruch erhalten. Das kannte ich bisher von den anderen Büchern in der Form noch gar nicht, habe mich aber umso mehr darüber gefreut. Ich weiß, dass das Thema seltsam ist. Von daher macht es mich echt glücklich, wenn ich euch mit der kleinen Geschichte berühren konnte, wenn euch mein stümperhaftes Fantasygebilde nicht nur abgeschreckt hat, sondern auch begeistern konnte. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes fantastisch!

Von der Lesung gab es ja bereits einen ausführlichen Bericht.  Es war ein schöner Abend, der mich auf ganz besondere Weise berührt hat.

Vom Wochenende beim schwul-lesbischen Straßenfest in Berlin hatte ich noch gar nichts berichtet. Nicht, dass ihr denkt, es hätte mir nicht gefallen. Ganz im Gegenteil! Es waren drei herrrlich lustige Tage mit meinen Autorenkollegen Mia Grieg, Sissi Kaipurgay, Caro Sodar und Katrin Wirth. Bernd nicht zu vergessen... die Kneipe hat mir gut gefallen und wenn ich das nächste Mal in Berlin bin, trinken wir dort hoffentlich noch mal ein Bier zusammen!
Das Wetter war am Samstag nicht ganz so gnädig, aber ich sollte mich wohl allmählich an Regen in Berlin/ im Urlaub gewöhnen. Ich mag ja Trubel, ich mag Gewühl, Menschenmengen, Lärm, Musik... ich bin ein Landei, das viel zu selten raus kommt.
Am Stand der Schwestern habe ich mich ebenfalls wohl gefühlt. Ich mache ja keinen Hehl daraus, ich bin gern emotional. Nicht unbedingt laut, auch nicht so, dass es jeder sofort sehen oder bemerken muss. Aber ich spüre dieses innere Kribbeln und die Freude. Und dieser Moment kam wieder, als die Schwestern die Schecks an verschiedene Vereine und Institutionen verteilt haben. Zu wissen, dass ein Teil des Geldes von den HomoSchmuddelNudeln kommt, das ist irgendwie beinahe irrational und ganz unglaublich schön. Zu wissen, dass das, was ich zusammen mit all den anderen Autoren mache, sich so positiv auswirkt, ist echt kaum in Worte zu fassen. Mich macht es auf jeden Fall glücklich und es spornt mich auch an.

Aber der Himmel ist wohl niemals nur blau, manchmal schieben sich auch die dunkelgrauen Wolken davor und verhindern die Sicht. Ich frage mich immer, ob es ähnlich wie beim Wetter auch im virtuellen Leben sein muss. Manchmal wünsche ich mir echt, so ein Schriftsteller aus alter Zeit zu sein. Eine Schreibmaschine, einen Pott Kaffee und ein Fenster zum Lüften... Ich weiß natürlich, dass ich das alles ganz schnell verwirklichen könnte, aber natürlich bin auch ich in gewisser Weise von sozialen Netzwerken abhängig und für gewöhnlich fühle ich mich auch wohl dort. Nur manchmal und das sei auch nur allgemein dahingestellt....
Der Juni! Ein seltsamer Monat, den ich mir mit allerlei tollen Ereignissen versüßt habe. In vielerlei Hinsicht hat es geklappt und das ist großartig.
Und weil ich mich so freue, teile ich die Freude mit euch und verlose das Buch "Flammenerbe" inklusive einer Karte und eines A4 Posters.
inklusive Print
Schreibt mir bis zum 1. Juli 2015 wie euer Juni war. 
Natürlich erwarte ich keinen ausführlichen Bericht, ein paar Worte reichen, um an der Verlosung teilzunehmen.


Donnerstag, 25. Juni 2015

Flammenerbe

Gestern hat mein neues Baby das Licht der Welt erblickt und ist bei Amazon eingezogen.
Ich bin wirklich aufgeregt, aber ich freue mich gleichzeitig wie verückt.
Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, aber ich war schon lange nicht mehr dermaßen gefesselt von einer Geschichte. Ich hatte gar keine Chance, ich musste schreiben, habe darüber beinahe alles vergessen und kam manchmal kaum aus meinem geliebten Schreibsessel heraus, weil ich vom vielen Sitzen ganz steif war. Das Wetter war mir egal, ich habe eh nur die Fenster zum Lüften geöffnet. Meine Familie... na gut, um die habe ich mich gekümmert, aber sie haben mich auch mehr oder weniger verständnisvoll in Ruhe gelassen.
Das Thema ist ein bisschen verrückt, meine Fantasyerfahrung gibt vermutlich nicht mehr her, als das, was ihr in dem Buch lesen könnt. Wundersames Getier und große Schlachten mit noch wundersameren Wesen gibt es nicht. Ein Stück andere Welt, die unserer aber nicht grundsätzlich unähnlich ist. Vielleicht ist es eher eine Art Zeitreise... Der überwiegende Teil spielt sich jedoch im Hier und Jetzt ab, denn die beiden Männer haben im Grunde genug mit sich selbst und dieser besonderen Gabe des Feuers zu tun.
Ich weiß, dass ich mit diesem Thema nicht jeden erreichen kann. Das verstehe ich, hätte ich mir vorher auch nicht vorstellen können...
Letztendlich bleibt es trotzdem in erster Linie eine kleine Liebesgeschichte. Vielleicht ein bisschen zu viel Kitsch, eine große Portion Romantik, ein Quantum Erotik, eine Prise Fantasy und ein Baby, das alles vereint.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß und  bin gespannt auf eure Reaktionen zur Geschichte. Derweil gucke ich mal auf meine Schreibliste, um entsetzt festzustellen, dass das alles ja ganz anders geplant war... Aber Schreiben ist Spaß und Pläne lassen sich ändern...

Hier geht es zum Link bei Amazon
(über weitere Shops muss ich im Moment noch nachdenken)
Der Print wird wohl nächste Woche erscheinen. Da habe ich auch noch eine kleine "Überraschung" für euch!

Dienstag, 16. Juni 2015

Lesung in Goslar

Ich bin ein bisschen spät dran, aber ich möchte Euch meine Eindrücke von der letzten Lesung natürlich nicht vorenthalten.
Ein Wochenende mit lieben Besuch hat mich allerdings weitesgehend vom Schreiben abgehalten. Dafür macht es umso mehr Spaß, nach ein paar Tagen noch einmal über diesen wirklich schönen Abend nachzudenken.
Lesungen finde ich vor allem deshalb spannend, weil man nie weiß, was passiert oder wie der Abend verläuft. Natürlich bereite ich mich vor, kümmere mich um die Textstellen und um eine kleine Gliederung meiner Zeit, aber das meine ich gar nicht.
Im Grunde sind Lesungen im Hinblick auf die Zuhörer unberechenbar. Du weiß eben nie, wie viele Leute kommen. Sicherlich, jemand mit einem wirklich großen Namen wird wohl selten in einem leeren Raum sitzen, aber viele, die sich mehr oder weniger im Mittelfeld (oder darunter) befinden, wissen vermutlich nur selten wie es laufen wird. Ich selbst war vor ein paar Wochen bei einer Lesung einer jungen Frau, absolut mainstream, lustig, unterhaltsam, fraulich... der Saal war gut gefüllt, auch wenn ich selbst vorher noch nie von der Autorin gehört habe. Sie erzählte, dass sie zwei Tage vorher in Hamburg vor drei Leuten gelesen hat. Und selbst die Lesung von Ralf König war ja in meiner Heimatstadt eher spärlich besucht, was mich immer noch unglaublich verwundert.
Huch, nein, keine Panik, ich saß nicht vor leeren Stühlen, auch wenn ich weiß, dass sich die Aidshilfe Goslar ein paar mehr Gäste gewünscht hat.
Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass ich auch vor drei Leuten lesen würde und ich mich über jeden freue, den ich mit auf meine Lesereise nehmen kann.
Und deshalb ist es immer besonders spannend.
Der Abend in Goslar war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.
Zum einen, weil die Leute von der Aidshilfe mich so nett empfangen haben. Ich habe mich wirklich von der ersten Sekunde an wohlgefühlt, ja sogar irgendwie dazugehörig. Selbst mein Mann, der mich seit einiger Zeit tapfer begleitet, aber sich bevorzugt im Hintergrund hält, wurde gleich mit einbezogen. Das war wirklich schön.
Ich danke an dieser Stelle noch einmal allen, die sich so viel Mühe gegeben haben und mit so viel Enthusiasmus dabei waren.
Auch der Raum war toll und ich wusste noch ehe ich überhaupt ein Wort gelesen hatte, dass da für immer sitzen und lesen möchte... Absolut perfekt für einen gemütlichen Abend.
Es war wirklich alles liebevoll vorbereitet und diese schöne Blumenschale vor mir, verbreitete einen wunderbaren Duft...
Und natürlich kamen ein paar Zuhörer und sogar eine nette Frau von der Presse.
Ich wurde vorgestellt und zum ersten Mal klappte mir im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade herunter. Bernd, du zauberst mir noch immer ein ganz breites Lächeln ins Gesicht! Ich kann die  kleine Rede natürlich nicht auswendig, aber sinngemäß sagte er, dass es eine besondere Lesung ist, weil zum ersten Mal in Goslar Literatur mit schwulem Inhalt das Thema wäre. Und dann meinte er, dass es ein besonderer Tag wäre und niemand vergessen sollte, an diesem Ereignis teilgenommen zu haben, weil er sich wünscht, dass schwule Geschichten bald ebenso "normal" sein würden, wie jeder andere Roman und er hofft, dass es diese Art von Schubladen nicht mehr geben wird. Und das hier wäre der Anfang...  Ich weiß, das ist natürlich sehr pathetisch und vermutlich gibt es in unserem Genre Schriftsteller, die sehr viel besser sind, aber ehrlich... ich war nicht nur gerührt, ich war echt angespornt.
Leute, die noch nie von mir gehört oder gelesen haben, zu packen und zu fesseln ist eine echte Herausforderung. Das habe ich bereits beim Bücherfrühling gemerkt. Man spürt genau, ob sie dir folgen, ob sie es spannend finden. Ein Stein fällt einem im wahrsten Sinne vom Herzen, wenn sie an der richtigen Stelle lachen, wenn du spürst, dass sie dir wirklich zu hören. Es ist ein unglaubliches Kribbeln und mein Enthusiasmus steigert sich in schwindelerregende Höhen.
Die erste persönliche Kontaktaufnahme in der Pause... Menschen, die mir sagten, dass sie gar nicht damit gerechnet hätten, dass die Geschichten so unterhaltsam sind, die mich in der zweiten Leserunde dazu brachten, mehr vorzulesen... Was soll ich sagen? Das macht mich verdammt glücklich.
Bücher signieren, jede Menge Input, kleine Diskussionen und beinahe Enttäuschung darüber, dass ich keine Sexszenen vorlese...
Eine überschwängliche Verabschiedung und ein riesiger Berg Glückshormone haben mich auf der Rückfahrt ehrfürchtig schweigen lassen. Manchmal kann ich es kaum fassen, dass ich solche Momente erleben darf und es macht mich unglaublich stolz und glücklich und dankbar.



Donnerstag, 11. Juni 2015

Flammenerbe

Mein "Flammenerbe" hat sich auf den Weg gemacht.
Zunächst erst mal als eine Leseprobe auf bookrix.
Die ersten sieben Kapitel meiner kleinen Fantasygeschichte werde ich auf beiden Plattformen in dieser und der nächsten Woche posten.
Ich hoffe, dass spätestens Ende des Monats das Buch in die Shops kommt. Da habe ich dann auch noch eine kleine Überraschung für alle, die Prints und goodies mögen.
Ich bin verdammt aufgeregt und neugierig auf eure Meinung.

Hier sind die Links: Flammenerbe bei bookrix
                           


Montag, 8. Juni 2015

Lesung in Goslar

Am Donnerstag, den 10.06.2015 habe ich eine Lesung in Goslar.
Die dortige Aidshilfe hat mich eingeladen und ich lade Euch hiermit ganz herzlich ein, einen gemütlichen Abend mit mir und meinen Büchern zu verbringen.
Es geht um 19 Uhr los.
Ich bin schon jetzt ganz kribbelig und aufgeregt. Meine zweite Lesung in diesem Jahr und ich freu mich ungemein darauf. Natürlich bringe ich all meine Bücher mit. Wer also Interesse an einem signierten Exemplar hat, das wäre eine gute Möglichkeit. Obendrein ist sicherlich auch Zeit für ein nettes Gespräch.
Wie wäre es also mit einem kleinen Ausflug in die tausendjährige Kaiserstadt am Harz?

Freitag, 5. Juni 2015

Ehe (nicht) für Alle oder was ist nur mit diesen Frauen los?

Vor ein paar Tagen machte die Saarländische Ministerpräsidentin ein paar Bemerkungen, die an Dummheit, Frechheit und Menschenverachtung kaum zu überbieten waren.
So etwas macht mich wütend, aber es bringt mich auch zum Nachdenken. Ich habe mir das Bild dieser Frau eine ganze Weile angesehen und dachte... Mensch, eine Politikerin mit Doppelnamen... Karriere und Kinder und allem Drum und Dran... Wie kann man als Frau eigentlich vergessen, welchen steinigen Weg die Frauen in den Generationen vor uns gehen mussten, um das alles zu ermöglichen?
Es ist doch noch gar nicht lange her, da haben wir Frauen uns ebenfalls am Rand der Gesellschaft befunden. Vermutlich rechtlich gar nicht weit entfernt von den Homosexuellen.
Welche Aufgabe war uns denn zugeteilt in einer Welt, die ausschließlich von Männern beherrscht wurde? Genau, heiraten, Kinder kriegen, Klappe halten...
Es waren die mutige Frauen der Frauenbewegungen, die dafür gekämpft haben, dass wir heute so leben können, wie wir es tun.
Es ist noch keine 100 Jahre her, dass wir ein Wahlrecht haben. In der Schweiz haben Frauen erst seit 1971 ein Stimmrecht.
Der Kampf gegen die Gesellschaft, gegen die Männer, oftmals auch gegen die eigenen Männer... Ich kann mir das heute wirklich nur schwer vorstellen.
Oder die Pille. Seit den 1960-igern gibt es die Pille als Verhütungsmittel. Es dauerte jedoch noch viele Jahre bis die Frauen mit ihrer Hilfe die Selbstbestimmung über ihren Körper erlangten. Am Anfang musste der Ehemann der Benutzung zustimmen und erst später konnten sie selbst darüber entscheiden ob und wann sie Kinder bekommen wollten. Könnt ihr euch den Aufschrei der Männerwelt vorstellen?
"Mein Bauch gehört mir".... Das Recht selbst über eine Abtreibung entscheiden zu können. Wie wird sich das wohl für die Frauen angefühlt haben, als sie diesen Kampf gewonnen haben? Wie viel Leid, Erniedrigungen und Beschimpfungen mussten sie wohl über sich ergehen lassen, damit wir Frauen heute so selbstgefällig damit umgehen können?
Schaut euch nur um, in wie vielen Ländern Frauen heute noch darum kämpfen müssen, ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen und nicht mit einer Heirat, sich dem Mann unterordnen zu müssen.
Es waren tapfere und mutige Frauen, die diesen Weg für uns gegangen sind und auch heute noch gehen. Vielleicht gingen manchen Aktionen zu weit, vielleicht preschten einige Frauen zu weit nach vorn, aber genau das hat doch dazu beigetragen, dass die Gesellschaft nicht mehr darüber hinwegsehen konnte. Dass die Männer sich nicht länger hinter ihren althergebrachten Gesetzen und Wertenormen verstecken konnten.
Jede Gesellschaft muss sich entwickeln, braucht Veränderung, um erblühen zu können. Der Fortschritt ist wichtig, damit wir unseren Kindern neue Wege zeigen und Grenzen in unseren Köpfen verschwinden lassen können.
Wir Frauen haben einen so großen Kampf hinter uns... Es ist doch auch noch nicht lange her, da war eine Frau in der Politik ein Witz und wurde allenfalls milde belächelt. Heute regieren sie Länder, treffen Entscheidungen, die die Welt beeinflussen.
Wir wehren uns dagegen den Namen des Mannes anzunehmen (was erst seit 1978 möglich ist), um unsere Eigenständigkeit zu beweisen... Tolle Doppelnamen... je länger, umso besser...
Wir haben es geschafft, gleichberechtigt leben zu können, selbst zu definieren, wie unser Leben unsere Ehe und unser soziales Umfeld aussieht. Auch wenn ich jetzt sicherlich einen Aufschrei höre, weil noch längst nicht alles erreicht ist. Es gibt immer noch viel zu wenige Frauen an den Spitzen der Unternehmen. Ich will auch gar nicht behaupten, dass alles perfekt ist, aber wir haben doch ganz viel selbst in der Hand. Wir können entscheiden, welchen Beruf wir lernen wollen, ob wir ihn ausüben und wie hoch wir auf der Karriereleiter steigen. Wir können uns auch bewusst dagegen entscheiden und ebenso stolz einen Haushalt führen und Kinder groß ziehen. Die Möglichkeiten sind da, die rechtlichen Grundlagen geschaffen...
Und weil wir in den meisten Teilen angekommen sind, vergessen wir auf einmal unsere Geschichte? Was würden wohl die Sufragetten sagen, wenn sie heute so selbstgefällige Frauen sehen, wie diese Ministerpräsidentin? Oder all die Frauen, die für ihren Mut ihr Leben gelassen haben, wie Helene Lange oder Clara Zetkin?
Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass ich mich abgrundtief schäme. Wir Frauen haben für die Gleichberechtigung gekämpft und nun machen wir uns lustig über andere Menschen, die dasselbe für sich fordern? Wir gönnen ihnen nicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Sich ebenso in dieser Gesellschaft willkommen zu fühlen?
Wenn sich zwei Menschen lieben und heiraten möchten, dann sollen sie das tun. Wenn der Staat eine Ehe für schützenswert hält, dann sollte dieser Schutz für jeden gelten, der ihn für sich beanspruchen möchte und zwar mit allen Rechten und Pflichten.
Familie ist doch das, was wir daraus machen und längst nicht mehr das, was es vor 50 oder 100 Jahren war. Ich begreife die Angst nicht, denn ich finde Veränderungen spannend. Und diese ist doch längst überfällig, weil sie doch grundsätzlich nichts an unserem Leben ändern wird. Weshalb sollte ich mir den Kopf darüber zerbrechen, wenn zwei Männer heiraten wollen (außer ich bin eingeladen und muss ein Geschenk besorgen *lach*). Weshalb sollte das auf mein Leben Auswirkungen haben? Weshalb sollte es schlimm sein, wenn sie ein Kind adoptieren und großziehen wollen? Ist die Vorstellung, dass eine neue, weltoffene Generation heranwächst, nicht toll? Mir würde es jedenfalls gefallen. Ich will meine eigenen Vorurteile nicht an meine Kinder weitergeben, nein, ich will meine Mauern einreißen, will offen und neugierig bleiben und auch mich und meine Ehe hinterfragen.
Ich weiß, dass meine Art zu leben keine Geschenk ist, sondern von anderen Frauen hart erarbeitet wurde.
Also bitte, liebe Ministerpräsidentin des Saarlandes und alle Frauen, die im Fernsehen und sonstwo in der Öffentlichkeit ihre veralterten Meinungen zum besten geben, denkt doch bitte mal daran, dass es nicht euer Verdienst ist, dass ihr dort steht wo ihr heute eben seid.
Vielleicht wird es euch dann doch noch bewusst, wie schön es ist, wenn wir diese Welt neu gestalten, sie bunt anmalen und gemeinsam unter dem Regenbogen tanzen...