Caro Sodar, Mia Grieg, Sitala Helki und Karo Steinn auf der Buch Berlin

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Rückblick 2014

Die letzten Stunden des Jahres brechen an. Zeit, eine kleine Tradition fortzuführen und einen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate zu wagen.
Es war in jeder Hinsicht ein turbulentes Jahr. Ich habe das Gefühl, dass noch nie Freude und Leid, Glück und Unglück, Wut und Trauer so dicht beieinander gelegen haben.
Das gilt sowohl für den privaten als auch für meinen schriftstellerischen Bereich.
Am Ende überwiegt ganz knapp das positive, denn es wirkt gewissermaßen nachhaltig.
Als ich mich im Januar als freie Schriftstellerin selbständig gemacht habe, hatte ich so viele Pläne im Kopf. Viel habe ich davon nicht erreicht, denn es kamen immer wieder Dinge, die mich vom Schreiben abgelenkt haben. Nicht allein vom Schreiben, sondern eher davon, meine Ziele zu verfolgen. Ich weiß, dass ich nicht gut mit Plänen zurechtkomme. Vielleicht macht das auch jemanden wie mich aus. Kreativität ist nur im begrenzten Maße planbar, aber ich weiß, dass ich mich viel zu schnell ablenken lassen. Es gibt so viele Projekte, die Spaß machen und in diesem Jahr habe ich an wirklich vielen davon teilgenommen.
Kurzgeschichten zu schreiben, ist eine perfekte Ablenkung. Die Energie fließt in einen kurzen Augenblick und sehr schnell ist ein befriedigendes Ergebnis vorhanden. Dass mir eine dieser Geschichte dermaßen den Hals brechen würde, hätte ich nicht gedacht. Auf einmal stand meine Welt Kopf, war ich in meinen Grundfesten erschüttert und hatte das Gefühl, ständig gegen eine Wand zu laufen. Jeder Weg, den ich gehen wollte, fühlte sich falsch an. Es gab ein paar Leute, die mir sagten, wie ich damit umgehen soll und ich habe versucht jeden Ratschlag anzunehmen. Am Ende war ich einfach nur verwirrt und traurig. Heute weiß ich, dass ich eine Menge Vertrauen verloren habe, aber zum Glück nicht die Lust am Schreiben.
Die meisten haben sicherlich den ganzen Ärger auf Facebook mitbekommen. Oft hatte ich gar keine Ahnung, worum es geht und trotzdem das Gefühl, als ein Teil davon wahrgenommen zu werden. Das ist nicht nur befremdlich, sondern vor allem unheimlich. Ich mag nicht in irgendeine Richtung geschubst werden, will nicht, dass die Leute falsche Schlüsse aus meiner Freundesliste ziehen. Ich bin auch nicht dafür verantwortlich, was andere Leute sagen oder machen. Nicht alles, was andere machen, muss mir gefallen, aber ich kann trotzdem befreundet bleiben, mich an Projekten beteiligen, die ich gut und wichtig finde. Es ist eigentlich lustig, dass wir Autoren in unseren Büchern Toleranz und Akzeptanz fordern und im wahren Leben so selten bereit dafür sind.
Aber ich will niemanden auf die Füße treten, denn ich habe in diesem Jahr viele tolle und liebenswerte Autorenkollegen kennengelernt und von all diesen wunderbaren Ereignissen zehre ich noch immer. Wenn man es gewissermaßen von hinten aufrollt, dann war Berlin wohl am nachhaltigsten. Die geballte Ladung Autoren und wir hatten so unglaublich viel Spaß miteinander. Die kleinste Buchmesse mit der größten Wirkung... Das war absolut irre!
Aber auch Leipzig hallt noch immer in mir nach. Meine erste Signierstunde und alle, die mich dort erlebt haben, haben mit Sicherheit bemerkt, wie verdammt aufgeregt ich war. Mein Kopf war vollkommen leer und ich kann mich kaum noch an jemanden erinnern, dessen Buch ich signiert habe. Also seid nicht böse, wenn ich euch nicht lachend um den Hals falle, ich glaube, ich war ziemlich geflasht. Vielleicht gelingt es mir in diesem Jahr die Stunde besser zu genießen (kleiner Wink gg)
Und dann gab es noch drei Lesungen, die ich bestritten habe. Jede davon war besonders und schön. Ich mach das wirklich gern... und ich hoffe, auch das neue Jahr bringt mir die eine oder andere Möglichkeit, mich mit einem Buch vor ein paar Leute zu setzen.
Dann gab es noch meinen allerersten CSD, der Kontakt zu den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz... gewonnene Wettbewerbe … die HomoSchmuddelNudeln... Kuschelgangprojekte... das Waikiki- Beach- Projekt und einen Beitrag für „Mein schwules Auge“ Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, da mitzumachen, aber ich steh im Buch drin und im nächsten Jahr überlasse ich es wieder den Leuten, die sich dazu berufen fühlen.
Für das neue Jahr wünsche ich mir in erster Linie Gelassenheit. Ich glaube, es ist nicht nötig auf jeder Hochzeit zu tanzen... man hat auch nichts davon, sich in Bereichen zu beweisen, in die man nie gehören wird.
Ich will nicht mehr so viel auf Facebook rumhängen und mir den Tag mit dem Lesen von sinnlosen Streitereien verderben.
Es gibt so viele angefangene Projekte, die endlich fertig werden sollten. Ein Versprechen, das ich seit zwei Jahren erneuere und verschiebe und das nun endlich eingelöst werden sollte. Ich habe so viele Ideen und hoffe, zumindest ein paar davon in die Tat umsetzen zu können.
Immerhin habe ich es gestern geschafft, die Fortsetzung des MargeritenEngels fertig zu schreiben. Wenn alles gut läuft, gibt es zumindest ein neues Buch im nächsten Jahr … und das wird für meine Verhältnisse ein recht dicker Wälzer sein. Ich bin schon jetzt verdammt aufgeregt, wie euch Kevins Geschichte gefallen wird.
Am Ende danke ich all den großartigen Lesern, die mich durch das Jahr getragen haben, die mir Rezensionen und Kommentare geschrieben haben und mir gezeigt haben, dass es sich lohnt nicht aufzugeben.
Ich freue mich, so viele nette Leute kennengelernt zu haben und hoffe, dass sich einige Kontakte im neuen Jahr verstärken oder wenigstens erhalten bleiben.
Ich freue mich auf neue Herausforderungen und hoffe, dass ich endlich, den für mich richtigen Weg finden werde.
Aber nun wünsche ich Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! 
Wir hören, lesen und sehen uns 2015!


Dienstag, 9. Dezember 2014

Noch einmal Berlin

Eigentlich haben Berlin und ich ja keine besonders gute Beziehung zueinander. Wobei es beinahe so scheint, als würden wir nach 13 Jahren doch noch einen gemeinsamen Weg finden.
Egal, ich habe mich am Sonntag auf den Weg gemacht. Diesmal mit der Bahn und ich muss gestehen, dass ich Busfahren sehr viel angenehmer finde. Vielleicht hatte ich auch nur eine ungünstige Verbindung, denn ich musste zweimal umsteigen und mir die Zeit an hässlichen und kalten Bahnsteigen vertreiben. Allein macht so was noch viel weniger Spaß... Aber letztendlich bin ich einigermaßen entspannt, aber vor allem wie immer sehr aufgeregt angekommen.
Es war ja in mehr als einer Hinsicht eine Premiere, denn es war das erste Aufeinandertreffen von Sissi Kaipurgay und mir. Ich war sehr gespannt auf die Frau, die mein Autorenleben in vielerlei Hinsicht im letzten Jahr verändert hat. Es war auf jeden Fall eine große Freude und ich glaube, wir haben uns gar nicht schlecht verstanden *lach*
Der Grund für dieses Zusammentreffen war eine Einladung der Ordensschwestern zum Adventskaffee. Nachdem auch Katrin, die dritte im Bunde am Bahnhof eingetroffen war, standen wir erst mal ein wenig unkoordiniert an irgendeiner Bushaltestelle herum, bis es uns nach gefühlten zwanzig Minuten gereicht hat und wir uns ein Taxi zum Hotel gegönnt haben.
Das Hotel... also na ja, Berlin hat mit Sicherheit Schöneres zu bieten, aber für eine Nacht sollte es schon gehen. Immerhin war es sehr nah am Ulrichs- Café, was ja unser eigentliches Ziel war.
Nach einer kurzen Zimmerbesichtigung haben wir uns auf den Weg gemacht. Julklupp- Geschenke hatten wir natürlich auch dabei. Mein Mann hatte mich genötigt, das riesige, viel zu bunte Sparschwein mitzunehmen, dass er selbst mal nach einem Julklupp mit nach Hause gebracht hat. Obwohl ich nicht begeistert war, habe ich es brav verpackt und in Handtücher eingepackt (die ich ansonsten gar nicht mitgenommen hätte) und eigentlich habe ich beinahe damit gerechnet, dass es die Zugfahrt nicht überstehen würde. Hat es aber und so konnte ich es an der Tür bei Schwester Suzette abgeben.
Wir haben uns ziemlich weit hinten ... also im Grunde ganz hinten und dann auch noch hinter einer Wand einen Tisch gesucht und verharrten der Dinge, die da kommen würden. Okay, ich hatte keine Zeit zum verharren, denn, während die anderen einfach am Tisch sitzen blieben, wurde ich gewissermaßen von Schwester Francine zur Bühne entführt. Das Motte lautete: Wir machen ein bisschen Werbung für die HomoSchmuddelNudeln und dann reden wir noch über "positiv verliebt". Oh mein Gott! Ehrlich, auf so einen Auftritt war ich nicht vorbereitet! Und dann bekam ich auch noch ein Mikro in die Hand gedrückt und für einen Moment habe ich mich gefragt, ob es nicht irgendwo einen Notausgang gibt, idealerweise hinter mir. Aber da war nichts, außer ein paar Bildern. Die Bühne hatte auch kein Loch, durch das ich verschwinden konnte.

Also habe ich tapfer die HomoSchmuddelNudeln vertreten, während sich die anderen hinter der Ecke versteckt hielten.
Als ich im Mai den Button mit der Aufschrift "Rampensau" von den Schwestern bekommen habe, hatten sie damit wohl mehr recht, als ich selbst gedacht habe. Na ja, zugebenermaßen fällt mir hinterher immer mehr ein, aber ich denke, ich habe es einigermaßen hinbekommen.
Vor dem Weihnachtsliedersingen durfte ich allerdings zurück in meine Ecke... Singen gehört nämlich wirklich nicht zu meinen Talenten.
Das erste Highlight war die Verteilung der Spendengelder. Fünf Sterne mit je 1000 Euro machten sich auf den Weg an Einrichtungen, die sich um Menschen mit HIV und Aids kümmern, die auch die bereits verstorbenen Opfer nicht vergessen. Es hat mich sehr berührt und es war ein unglaublich tolles Gefühl zu wissen, dass ein Teil des Geldes von den Nudeln kam.
Einen musikalischen Leckerbissen gab es auch. Der Sänger war absolut genial, ich hätte ihm noch ewig zuhören können. Er hatte so eine unglaublich erfrischende Art und war dabei so charmant und charismatisch, dass man sich ihm vermutlich nur schwer entziehen konnte.
Julklupp... Oh Mann! Zugucken ist ja echt super und lustig, aber selbst mitmachen? Ich meine, ich wollte doch nur dieses Schwein loswerden. Davon, dass ich mir anschließend selbst eine Tüte aussuchen und mich damit auf den Schoß von Schwester Daphne setzen muss, war doch niemals die Rede gewesen ... Irgendwer sagte mal, es gibt einen Zeitpunkt, da ist einem nichts mehr peinlich. Scheint, als wenn das stimmen würde, denn was könnte netter sein, als Fisthandschuhe aus seiner Tüte zu ziehen und das in einem Saal, der zu 95 Prozent aus schwulen Männern bestand...
Schätze, da konnte selbst der Penisaschenbecher, den ebenfalls eine Frau bekommen hatte, kaum mithalten. Aber ich habe sie (hoffentlich) mit Würde von der Bühne getragen. Ach ja, das Sparschwein schien endlich den richtigen Besitzer gefunden zu haben, denn der junge Mann hat sich echt gefreut. So kanns gehen!
Es war ein wirklich schöner Nachmittag und Abend mit tollen Gesprächen und jede Menge Spaß. Wir drei Mädels haben hinterher noch einen Italiener aufgesucht, die Nacht gewissermaßen ausklingen lassen und Schreibpläne fürs neue Jahr geschmiedet.
Schlaf habe ich in meinem Bett nicht viel bekommen. Das Hotel war ziemlich lebhaft ... und das ist nur vorsichtig ausgedrückt.
Nach dem Frühstück ging es zurück zum Bahnhof. Die beiden fuhren leider sehr viel früher als ich ab und so habe ich mir die Zeit damit vertrieben, ein paar Runden durch die verschiedenen Etagen zu drehen, bis das ziemlich langweilig wurde und ich in einem Bücherladen eine Zeitschrift erstanden und mit dieser bei Mc Donalds die nächste Stunde verbracht habe. Da es so was bei mir ja nicht gibt, habe ich mir mal eine Schwulissimo gegönnt und mich auf den neuesten Stand gebracht.
Vom Bahnhof zum Busbahnhof ... den Weg kannte ich noch gut. Und dann endlich, ziemlich durchgefroren im Bus nach Hause.
Ich denke, für dieses Jahr habe ich genug Ausflüge gemacht. Aber ich freu mich auf das neue Jahr und hoffe, dass ich noch mehr so wundervolle Erfahrungen machen darf.

Ich nutze diese Stelle gleich noch für ein paar sehr, sehr persönliche Worte: Die HomoSchmuddelNudeln sind sicherlich ein durchaus umstrittendes Projekt. Ich weiß, dass sich viele Autoren am Namen stören, dass sie Angst haben, nicht ernst genommen zu werden, sich nicht identifizieren können... Ich habe schon vieles gehört und hatte die ungewollte Chance auch über einige Dinge nachdenken zu müssen. Ehrlich gesagt, als ich das erste Mal diesen Begriff hörte, fand ich es einfach nur lustig. Es ist natürlich nicht politisch korrekt. Aber muss eigentlich immer alles korrekt sein? Muss man sich selbst ausschließlich ernst nehmen? Ich finde, manchmal darf man auch Spaß haben ... Spaß, der anderen Leuten zugute kommt. Als am Sonntag diese fünf Sterne verteilt wurden und der Name HomoSchmuddelNudeln gefühlte 100 Mal während der Veranstaltung fiel, da habe ich echten Stolz empfunden. Natürlich ist unser Geld nur ein Bruchteil dessen, was an Spenden gesammelt wurde. Aber vielleicht ist ein Teil davon an die HIV- positiven Kinder gegangen, denen damit ein Stück bessere Zukunft ermöglicht wird.... oder vielleicht sind sie auch ein Teil des Geldes, von dem nun Weihnachtsgeschenke für Pflegebedürftige gekauft werden können. Ich will wirklich nicht patetisch werden, aber in diesem Moment bin ich echt gern eine SchmuddelNudel... und es schien sich wirklich niemand an diesem Namen zu stören. Ich weiß genau, dass ich auch im nächsten Jahren bei den Projekten dabei sein werde, denn noch nie hat sich etwas so verdammt gut angefühlt. 



Und für die Leser: Bitte macht weiter! Gönnt euch diese wunderbaren Bücher und verbringt eine schöne Zeit mit einer Vielzahl an Geschichten, die auch ein bisschen wie eine Pralinenschachtel sind. Vielleicht ist nicht jede köstlich, aber hinter jeder steckt das Bedürfnis Geld für einen guten Zweck zu sammeln. 

Aber nun genug der Rührseligkeiten, es gibt ja noch so viel zu tun!

Samstag, 6. Dezember 2014

Fröhlichen Nikolaus


Auch wenn es in diesem Jahr keinen blogübergreifenden Kalender gibt, so bin ich doch nicht ganz untätig geblieben.
Zum einen haben ich eine kleine Geschichte für den Weihnachtsband der HomoSchmuddelNudeln geschrieben. Dort dreht sich alles um süße Niko-Mäuse, die dafür sorgen, dass in der Weihnachtszeit auch alles so funktioniert wie es soll. Zum ersten Mal habe ich ein bisschen Fantasy/Märchen geschrieben und es hat viel Spaß gemacht. Meine Geschichte heißt "Von Mäusen und Prinzen" und zeigt, dass manche Märchen wahr werden können.
Wenn ihr diesem Link folgt, dann könnt ihr euch das Wochenende mit den wunderbaren Geschichten von tollen Autoren versüßen und nebenbei noch etwas Gutes tun, denn wie immer gehen die kompletten Einnahmen an den Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz Berlin.
Aber das ist noch nicht alles, was der Nikolaus in den virtuellen Stiefel gesteckt hat. Ab Mittwoch, den 12.12. geht es endlich bei Verschlossene Türen weiter. Hannes und Farid bekommen sozusagen einen "halben" Kalender.
Und hier auf meinem blog gibt es auch noch eine kleine Geschichte. Winzige Kapitel, die ich in den nächsten Tagen posten werde. Eine bittersüße Geschichte, ein bisschen melancholisch, ein bisschen ernst, aber natürlich voller Hoffnung und eine Maus spielt auch eine Rolle.
Ich hoffe, sie wird Euch gefallen, auch wenn sie nicht so weihnachtlich süß ist
(Achtung nicht korrigiert oder lektoriert):

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Rund um den Weltaidstag


In diesem Jahr wurde der Weltaidstag am 1.12. bereits zum 27. Mal begannen.
27 Jahre, in denen, den mittlerweile mehr als 35 Millionen Opfern dieser unfassbaren Krankheit gedacht und in denen den mehr als 60 Millionen mit HIV infizierten Menschen Mut und Unterstützung zugesprochen wird, in denen die Erfolge beim Kampf gegen HIV und Aids gefeiert werden und gegen Diskriminierung und Stigmatisierung gekämpft wird.
Es ist das erste Mal, dass ich aktiv an diesem Tag (und darüber hinaus) beteiligt war.
Zum ersten Mal hatte ich als Autorin ein Heimspiel, sprich eine Lesung mehr oder weniger direkt vor der Haustür. Das hat mich in gewisser Weise schon nervös gemacht, auch wenn die meisten Leute, die mich kennen und die mir etwas bedeuten, längst wissen, womit ich meine Zeit verbringe. Trotzdem, eine Lesung ist immer aufregend und spannend, denn egal wie gut man sich vorbereitet, es hängt letztendlich ganz viel von der Stimmung und den Zuhörern ab. Trotz meiner Aufregung stapele ich ja eher immer lieber tief, denn ich weiß, dass Lesungen meist gar nicht so gut angenommen werden.
Wenn man das allererste Mal vor einer handvoll Leuten sitzt, von denen einige nicht mal wussten, wieso sie überhaupt da sind, dann prägt einen das wohl für alle Zeit. Jedenfalls geht es mir so, denn ich freue mich über jeden einzelen Zuhörer und würde auch für nur eine Person lesen, wenn sie es denn wollen würde. Außerdem weiß ich, dass dort, wo ich gelesen habe, Buchvorstellungen gar nicht so intensiv wahrgenommen werden und da ich ein zweckoptimistischer Mensch bin, hielt ich mir die Lesung von Ralf König vor Augen und dachte, wenn nur zwei oder drei Leute da sind, dann ist das ja in Proportion zum Bekanntheitsgrad und der Anzahl der Leute, die zu seiner Lesung da waren (an dieser Stelle entschuldige ich mich in aller Form *lach*) … Na ja, langer Rede ….der Raum war nicht voll, aber es waren genügend Zuhörer da, um sich wohlzufühlen. So eine Lesung vor Freunden ist schon irgendwie besonders, vor allem, wenn du spürst, dass sie nicht nur aus irgendeinem Pflichtgefühl kommen, sondern weil sie wirklich interessiert sind. Immerhin haben wir noch über eine Stunde diskutiert und das macht es für mich ganz besonders. An dieser Stelle danke ich noch einmal allen, die da waren und diesen Abend mit mir verbracht haben.
Der Mittwoch war für die Schülerlesungen reserviert. Zwei Mal sollte ich mein Buch jeweils einer 10. Klasse vorstellen. Nachdem ich erst mal ins falsche Haus gegangen bin und ein Lehrer so nett war, mich mitzunehmen, war ein Teil meiner Aufregung schon verschwunden. Okay, nicht ganz, denn nun galt es meiner ehemaligen Lehrerin und Nachbarin gegenüber zu treten, die bisher noch nicht wusste, wer sich hinter dem Namen Karo Stein versteckt. Das Erstaunen war deutlich, die Freude jedoch ehrlich und groß. Und dann kam auch gleich der Hammer: So viele kranke Lehrer, dazu noch 12. Klassen die betreut werden müssten und … Karo wird gleich mal ins eiskalte Wasser geworden, denn sie steht diesen Jugendlichen allein gegenüber.
Okay, die Aufregung kam mit doppelter Geschwindigkeit zurück. Ich habe also ganz brav ein bisschen was an die Tafel geschrieben (ich wusste gar nicht, dass ich so eine furchtbare Handschrift habe und Kreide an den Fingern ist echt ekelhaft) Dann kamen die Schüler rein, setzten sich... natürlich möglichst weit nach hinten, sodass die erste Reihe vor mir leer blieb. Tief durchatmen, grinsen, Panik … und anfangen... Ich arbeitete meine Punkte ab, habe ein bisschen gelesen und versucht, die Schüler zu einer Diskussion zu motiveren. Okay, letzteres ist mir nicht wirklich gelungen, vermutlich fehlen mir da ein paar pädagogische Tricks. Trotzdem, die Zeit verging wie im Flug und am Ende kamen dann doch noch ein paar zu mir und wir quatschen in kleiner Runde. „Ich lese Mangas und slash- Storys“ Das große Bekenntnis ließ mich erleichtert aufseufzen und zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht.
Nach einer kleinen Pause im Sekretariat, einer Tasse Kaffee und einem kleinen Plausch mit der Sekretärin, die schon da war, als ich den heiligen Hallen mein Abi gemacht habe, ging es weiter. Diesmal mit einem Lehrer in der letzten Reihe, der die Zeit für Korrekturen nutzte. Die Klasse war schon anwesend, als ich hereinkam.
Auch hier verging die Zeit schnell und die Stimmung war angenehm. Leider hat auch diesmal die Sache mit dem Diskutieren nicht geklappt. Tatsächlich waren beide Klassen so ruhig, dass es schon beinahe unheimlich war und nein, es waren nicht alle eingeschlafen ….
Und auch hier kam ein Gespräch erst in kleiner Runde zustande. Diesmal mit der berühmten Frage, wie ich denn dazu gekommen bin, Gay Romance zu schreiben. Nun, diese Frage kann ich ja mittlerweile im Schlaf und in mehreren Versionen beantworten.
Mit etwas angeschlagenen Stimmbändern, aber irgendwie tief befriedigt habe ich das Schulgebäude verlassen und mein erster Gedanke an der frischen Luft war: Das musst du unbedingt mal wieder machen.
Am Ende dieser aufregenden Tage kann ich erneut feststellen, wie gern ich lese. Auch wenn ich vermutlich viel zu enthusiastisch oder flammend den Leuten etwas über HIV und Aids erzähle, ist es jedoch eine Erfahrung, die ich wirklich nicht missen möchte. Darüber hinaus hatte ich allerdings den Eindruck, dass die jungen Leute in diesem Bereich viel zu wenig aufgeklärt sind.
Nun heißt es für mich, wieder runter zu kommen und endlich die Weihnachtszeit einzuläuten, denn ich habe weder virtuell noch real Weihnachtsdeko verteilt und eine kleine Kalendernascherei sollte ich es ja auch noch geben. Guckt mal, ob der Nikolaus eventuell diesen blog besucht.
Ansonsten … ich hatte ja einige Anfragen wegen des blogübergreifenden Kalenders. Wie ihr bereits bemerkt haben dürftet, findet er in diesem Jahr nicht statt. Es gab ein paar nicht wirklich schöne Erfahrungen im letzten Jahr, die mich dazu bewogen haben, mir diesen Stress nicht anzutun. Aber ich muss ehrlich gestehen, ich hatte die vielen wunderbaren Leser und Rückmeldungen dabei irgendwie vergessen und von daher tut es mir unglaublich leid. Im nächsten Jahr werde ich mich wieder bemühen, blogger und Autoren zusammen zu bekommen und die Sache gelassener sehen.