Donnerstag, 10. August 2017

Dauerschleife

In diesem Monat nehme ich auf Instagram am Autorenwahnsinn teil. Das ist so eine kleine Aktion, bei der ich jeden Tag ein Bild zu einem vorgegebenen Thema poste soll/darf/muss. In erster Linie ist es ein Spaß, aber natürlich werde ich auch vom Ehrgeiz gepackt, die ganzen 31 Tage durchzuhalten. Im Januar ist es mir gelungen, also bin ich motiviert, es auch in diesem Monat durchzuziehen. Ihr findet mich auf Instagram unter karo.stein, nur für den Fall, dass ihr neugierig auf meine Antworten seid, denn natürlich erfährt man in diesem Monat doch einige Dinge über mich und meine Projekte.
Die heutige Aufgabe und damit auch der Grund für diesen kleinen Beitrag hieß: throwback thursday, woran hast du im letzten Sommer geschrieben?

Eine ganze Weile habe ich, in dem Versuch mich zu erinnern, auf den Laptop gestarrt, dann habe ich nachgeschaut, was ich im letzten Jahr so herausgebracht habe und vor allem, was ich wohl so im letzten Sommer in schriftstellerischer Hinsicht getrieben habe. Dabei musste ich feststellen, dass ich es eigentlich auf relativ wenige Bücher im Jahr bringe. Tatsächlich fällt es mir  Laufe des Jahres nicht so sehr auf, aber rückblickend war ich doch ein bisschen verwundert und habe mich gefragt, was ich mit meiner Zeit eigentlich so anstelle. Schreiben ist es ja offentlich nicht, bei vier Büchern und ein paar Kurzgeschichten.
Nun ja, vermutlich bin ich zur Zeit nicht besonders produktiv und das macht mich ein bisschen aggressiv. Tatsächlich stecke ich gerade in einer Art Blockade, obwohl das Wort nicht ganz passend ist. Ich bin überreizt und das hemmt mich. Es gibt so viele Dinge, die ich gern schaffen möchte, so viele Ideen, die umgesetzt werden könnten und dann gerate ich in eine seltsame Spirale: Ich weiß nicht wo ich anfangen soll, gerate in Panik, weil die Tage, Wochen, Monate verinnen und schaffe es doch nicht, dieser Schockstarre zu entkommen. Dabei möchte ich so viel schaffen, so viel schreiben und es gibt so viele Ablenkungen, so viel zu lesen, denn schließlich weiß ich ja nicht, wo ich anfangen soll ... Ich bin ein Meister der Verdrängung und gleichzeitig frustriert es mich ... Hm, das Prinzip dürfte wohl deutlich sein.

Bisher bin ich immer irgendwann an einen Punkt gelangt, wo eine Geschichte diesen Kreislauf durchbricht und ich schließlich anfange zu schreiben. Im letzten Jahr war es "Unglaublich verliebt". Drei Jahre nach "Positiv verliebt" habe ich es endlich geschafft, diese Geschichte zu schreiben. Da wartet noch ein dritter Teil und ich will gar nicht spekulieren, wie lange er sich wohl noch gedulden muss.
Am 27. 7. habe ich mit dem ersten Kapitel begonnen. Davor habe ich wochenlang nicht geschrieben, obwohl ich es es mehr als alles andere liebe
.
Am Anfang dieses Sommers hatte ich große Lust auf Kurzgeschichten und habe mein kleines Sommerbuch herausgebracht. Dann gab es da auch noch diese besondere Anthologie mit drei weiteren Autorinnen ... und dann ... Nichts ... gähnende Leere beziehungsweise der halbherzige Versuch eine weitere Kurzgeschichte zu schreiben. Ich geriet bereits bei 3000 Wörtern ins Stocken, habe mich auf 8000 gequält und spüre die ganze Zeit, dass es sich gar nicht richtig anfühlt.

Noch immer ist das Gefühl da, dass ich so viel mehr schreiben könnte. All die angefangenen Geschichten, die ein Ende verdient haben. All die Ideen, die in meinem Notizbuch schlummern und mich regelrecht anspringen, sobald ich die entsprechende Seite aufschlage. Verrückte Sachen, neue Wege, Drama, natürlich ganz viel Liebe und besondere Männer.

Auf irgendeinem Blog habe ich vor kurzem gelesen, dass man das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren soll. Ich glaube, es ging dabei allerdings um etwas anderes, aber irgendwie passt das für mich auch. Das Wesentliche... das ist wohl in erste Linie das Gefühl für Zeit, für das, was ich schaffen kann. Ich kann durchaus schnell schreiben. Vermutlich brauche ich kaum zwei Monate für einen Roman in einer, für mich typischen Länge. In Anbetracht, dass dieses Jahr noch knapp fünf Monate hat ... und schon fängt die Spirale wieder an, sich zu drehen. So viele Ideen, so wenig Zeit, so viel Ablenkung. Und am Ende werde ich mich wohl wieder fragen müssen, was ich mit all den Stunden angefangen habe, die ich doch eigentlich zum Schreiben nutzen wollte...


Montag, 24. Juli 2017

Vier für die Liebe

Ich bin total aufgeregt und wahnsinnig gespannt.
Heute enthülle ich für euch mein geheimes Geheimprojekt.
Ein imaginärer Trommelwirbel für 4 für die Liebe: Susann Julieva, M.S. Kelts, Cat T. Mad und Karo Stein.
Wir haben uns irgendwann während der LBM zusammengefunden und uns entschieden, eine Anthologie zu schreiben. Aus der Idee vier Kurzgeschichten zu schreiben, ist nun Realität geworden, allerdings sind es wohl eher vier Novellen geworden.
Feuer, Wasser, Erde, Luft ... vier Elemente, vier Autoren, vier wunderbare Geschichten.
Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich ein Teil dieser Gemeinschaft sein darf und hatte unglaublich viel Spaß beim Schreiben meiner Geschichte.
Klappentext:
Man nehme einen heißen Elfenschmied, einen kühlen Meermann, einen leichtsinnigen Luftgeist und einen bodenständigen Gestaltwandler - fertig ist die "elementare" Geschichtensammlung rund um Feuer, Wasser, Luft und Erde.
M.S. Kelts, Karo Stein, Susann Julieva und Cat T. Mad laden zu romantischen Lesestunden ein! Vier packende Gay Fantasy-Geschichten, die mal ernst, mal humorvoll von Sinnlichkeit, Schmerz und großer Liebe erzählen, die keine Grenzen kennt.

Auch wenn Fantasy nicht wirklich zu meinen Lieblingsgebieten gehört und meine Story in erster Linie urbane Fantasy ist, hoffe ich, ihr werdet mit meinen Meermännern viel Freude haben.
Ich habe auch gleich ein  Minihäppchen für euch:

Meermänner küsst man nicht

"Hallo!“, rufe ich mit krächzender Stimme und räuspere mich verschämt.
Vier Augenpaare mustern mich neugierig. Ich bleibe stehen und atme tief durch.
"Ich bin Erik, der neue Meermann.“ Diesen albernen Satz habe ich vorhin ungelogen vor dem Spiegel geübt. Irgendwie kam ich mir dabei lässig vor, jetzt klingt es jedoch eher peinlich, weil meine Stimme zu zittrig ist. Immerhin schauen mich alle an, was dafür sorgt, dass mein Gesicht gut durchblutet wird. 
"Prinz Erik“, ruft eine junge Frau, wirft ihren Kopf nach hinten, sodass das lange, rotblonde Haar über ihre Schultern fällt. „Endlich ist mein Prinz da.“ Einen Moment lang bin ich verwirrt, dann begreife ich die Anspielung auf den berühmten Disneyfilm. Im Gegensatz zu der Frau, die wahrhaftig dank ihrer Haarfarbe eine gewisse Ähnlichkeit mit Arielle hat, gleiche ich diesem Prinzen vermutlich nur vom Namen her. Meine Haare würde ich allenfalls als Dunkelblond bezeichnen. Meine Augen sind auch nicht so strahlend blau, sondern eher ein Mix aus blau, grau und grün. 
Entschlossen gehe ich auf sie zu und ergreife ihre Hand. "Meine holde Prinzessin Arielle. Wie lange habe ich schon auf dich gewartet?“ Ich deute einen Kuss an, bringe sie damit zum Kichern und kann meine eigene Courage kaum fassen.
"Nenn mich Judith“, haucht sie theatralisch und klimpert mit ihren langen Wimpern.
"Freut mich, dich kennenzulernen, Judith“, erwidere ich mit einem Zwinkern. 
"Endlich haben wir noch einen weiteren Meermann“, sagt die Frau, die neben Judith sitzt. „Ich bin Sophie und das ist Vanessa.
“Erik“, wiederhole ich noch einmal mit einem breiten Lächeln und atme erleichtert durch. Alle drei strahlen mich an und geben mir das Gefühl, willkommen zu sein. Mir fällt ein Stein vom Herzen, der sich jedoch augenblicklich in einen riesigen Betonklotz verwandelt, als ich vor dem einzigen Mann in der Runde stehe. Er lächelt nicht. Stattdessen mustern mich bernsteinfarbene Augen abweisend und treiben meinen Puls unangenehm in die Höhe. Seinen Namen – Louis –spuckt er mir regelrecht vor die Füße, weshalb ich instinktiv einige Schritte zurückweiche. Ehe ich jedoch auf irgendeine Weise darauf reagieren kann, geht die Tür erneut auf.
"Wie schön, dass ihr alle schon da seid.“ Es ist Pete, der Choreograph. Ich habe ihn gestern bereits getroffen, als ich den Vertrag abgegeben habe. Er hat mich auch gleich herumgeführt und mir die Anlage gezeigt.
"Dann können wir ja gleich loslegen“, ruft er voller Elan und klatscht in die Hände. Sein Blick fällt auf mich und er deutet auf die Flosse, die ich immer noch gegen meine Brust drücke.
"Die solltest du wohl besser anziehen“, sagt er schmunzelnd und sorgt dafür, dass meine Wangen erneut in Flammen stehen.
"Ja, klar“, nuschle ich und setze mich schleunigst auf den Boden. Umständlich verfrachte ich meine Füße in die Halterung der versteckten Monoflosse und überprüfe den richtigen Sitz. Noch immer zittern meine Finger.
***
Der geplante Veröffentlichungstermin für das ebook ist der 1. August 2017.
Ich hoffe, euch werden die Geschichten gefallen. Es war für mich auf jeden Fall eine ganz wunderbare Zusammenarbeit und irgendwie schmieden wir schon gemeinsam neue Pläne.... 



Dienstag, 18. Juli 2017

Positive Energie

In diesem Jahr fiel mein Urlaub ein bisschen kürzer aus.
Irgendwie konnten wir uns nicht so richtig entscheiden, ob mit Zelt oder nicht, wie und überhaupt und ... Eigentlich wusste ich nur eines: Ich musste am 11. Juli in Rostock zur Lesung sein und der Urlaub sollte da drumherum liegen.
Nun, ich bin nicht nur beim Schreiben chaotisch, meine Familie ist es im Grunde auch.
Schließlich haben wir uns ganz spontan gegen das Zelt und für ein festes Haus entschieden, waren mit acht Tagen zufrieden und haben noch ein bisschen Heimurlaub geplant.
Ein Jahr ohne Ostsee geht für mich gar nicht. Ich brauche das Meer, die Wellen, den Wind, den weiten Himmel und den besonderen Duft.
Von der Landschaft ganz zu schweigen ...

Diesmal verschlug es uns in die Nähe vom Darß an den Bodden in eine Siedlung, die eingezäunt war und sich mitten im Nirgendwo befand.
Ruhig ... es war so ruhig, selbst für jemanden, der ohnehin nur in einer Kleinstadt lebt. Jede Menge Natur und Weite für das Laptop/Bildschirm leidgeprüfte Auge. Grün-bunte Felder und im Hintergrund der Bodden, mal strahlendblau wie der Himmel, mal düster-grün und bedrohlich, denn natürlich hatten wir wie immer auch Regen-und Sturmtage dabei.
Das Haus war großartig und sorgte für einen guten Start in den Urlaub. Im Gegensatz zu dem langen Stau bei der Anreise.
Ich finde es super, wenn wir alle mal nur auf "Familie" runterreduziert sind, Zeit miteinander verbringen und uns trotzdem gegenseitig den Freiraum lassen, den jeder von uns braucht. Es ist schon ein seltsames Gefühl, zu sehen wie groß die Jungs sind und zu wissen, wie endlich die Anzahl der gemeinsamen Urlaube noch ist. Irgendwie macht diese Gewissheit jede gemeinsame Unternehmung noch kostbarer.

Am Dienstag war es dann soweit. Meine Lesung im Rahmen des CSD in Rostock. Natürlich war ich furchtbar aufgeregt. So sehr, dass ich vergessen habe, das Badfenster (Dachschräge) zu schließen und dass, wo es wie aus Eimer goß. Zum Glück waren wir erst wenige Kilometer unterwegs und konnten problemlos zurück. Das Bad stand auch nicht unter Wasser, denn ich hatte das Fenster nur einen schmalen Spalt offen gelassen.
Der zweite Anlauf nach Rostock gelang. Dort wurde ich total herzlich empfangen, sodass ein Teil meiner Anspannung nachließ. Meine Männer habe ich im Übrigen ins Kino geschickt.
Der Raum war toll, sogar mit so einer Schleife für Hörgeschädigte. Die Plätze füllten sich und schließlich ging es los. Ich schätze, ich habe es schon mehr als einmal erwähnt, dass ich total gern lese und die besondere Stimmung bei Lesungen liebe.
"Positiv verliebt" gehört obendrein noch zu meinen Herzensbüchern. Es macht immer wieder Spaß und am Ende spüre ich, dass es genau das ist, was ich möchte. Geschichten aufschreiben, darüber reden und auch daraus vorlesen. Ich wünschte, ich könnte es noch viel besser, viel selbstbewusster ... aber ich übe und spüre immer wieder, wie mich dieses Glücksgefühl förmlich überrollt und mich für einen Moment all die negativen Dinge vergessen lässt.
Deshalb danke ich an dieser Stelle ganz besonders Robin Döring und Veit Pürsing vom CSD Rostock für ihre Einladung und ihr Vertrauen und natürlich auch allen, die zur Lesung gekommen sind. Ganz besonders den "Jungs" von IWWIT.
Mein Geschenk und wer mich kennt weiß, wie sehr ich mich über regenbogenbunte Armbänder gefreut habe
Anschließend gab es eine kleine Diskussionsrunde zum Leben mit HIV. Zuhören, Mitreiden, Begreifen und Staunen. Ich betone ja immer wieder, dass ich schwule Liebesgeschichten schreibe, die nicht auf Realität sondern auf Unterhaltung ausgelegt sind. Aber es ist auch ein wunderbares Gefühl, ein bisschen Realität, gerade auch im Hinblick auf das Leben mit HIV zu erfahren und diese Runde war für mich eine echt große Bereicherung.
Was soll ich sagen? Ich hatte viel Spaß, die Zeit verging total schnell und ich hoffe, dass ich die Anwesenden auch ein bisschen unterhalten konnte.

Nach diesem aufregenden Abend ging es für mich weiter mit Familienurlaub und natürlich auch einem Besuch in Greifswald bei meinem liebsten Freund und Seelenbruder.
Dort sind wir gemeinsam zum Fischerfest und ich habe von meinen Männern diesen regenbogenbunten Herzchenball bekommen. Ich liebe ihn!
Es war zu kurz... Die Tagen vergingen viel zu schnell, obwohl wir so wunderbar entschleunigt waren. Baden, lange Spaziergänge, Angeln, Tischtennis, lesen, fernsehen, Karten spielen oder einfach nur quatschen. Zwischendurch habe ich innegehalten und mir vor Augen geführt, was für wunderbares Leben ich habe. Manchmal bin ich so frustriert, schaue neidisch auf das, was andere machen oder haben oder vorgeben zu haben. Gerade auf Facebook erscheint es mir so einfach, die Balance zu verlieren.
Ich weiß, dass ich einige Dinge niemals leisten kann, nicht jede Mauer überwinden werde und mir selbst manchmal im Weg stehe. Aber ich erkenne auch die guten und motivierenden Momente, die mir solche Erlebnisse wie Lesungen schenken, aber auch meine Männer, die so absolut hinter mit stehen und mich unterstützen.
Puhh, jetzt werde ich aber sentimental...

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, zu schreiben und hoffe, dass ich noch ein paar Projekte in diesem Jahr zuende bringe. In diesem Monat gibt es auf jeden Fall noch etwas Neues von mir. Mein geheimes Geheimprojekt mit drei anderen Autoren. Ich bin schon soo gespannt und hoffe, ihr seid es auch.